Nigel Lamb: Die Karriere eines Air Race Champions

Eine echte Legende des Red Bull Air Race tritt zurück

Lamb sagt Goodbye

Am 16. Oktober 2016 hat der britische Red Bull Air Race Pilot Nigel Lamb seine Rennhandschuhe nach neun Jahren an den Nagel gehängt. Wir blicken zurück auf eine bemerkenswerte Karriere...

Beständigkeit, Ehrlichkeit, Seriosität, Meisterhaftigkeit. Die Qualitäten, die der britische Pilot Nigel Lamb beim Red Bull Air Race gezeigt hat, haben einen neuen Standard in dem Sport gesetzt und ihm selbst Fans auf der ganzen Welt beschert. Lamb war genau das, was einen Weltmeister auszeichnet, und als er seine leuchtend gelbe MXS-R beim Saisonfinale in Las Vegas zum letzten Mal abgestellt hatte, flossen in den Hangars auf dem Race Airport einige Tränen. Jeder, angefangen von den Piloten über das Team bis hin zum Kameramann, wollte ihm die Hand schütteln und sagen, was es bedeutet hat, mit ihm zusammen beim Red Bull Air Race dabei zu sein.

Nigel Lamb hat beeindruckt. Dafür sprechen allein schon die Fakten: 64 Rennen, 14 Podiumsplätze und eine unvergessene Weltmeisterschaft. Und alles begann 2015.

Lamb gab sein Debüt in der Red Bull Air Race Saison 2005, am heimischen Himmel von Longleat – bis heute eines seiner beliebtesten Rennen. Früher war er ein Militärpilot, der Jets und Hubschrauber für seine heimische Air Force in Rhodesien (heute Zimbabwe) geflogen ist, bevor er schließlich nach Großbritannien umsiedelte. Dort gewann er die Britischen Meisterschaften im Kunstflug insgesamt acht Mal und startete seine internationale Airshow-Karriere, ehe er begann, durch die Air Gates zu fliegen.

"Das Red Bull Air Race ist ganz anders als alle anderen Arten zu fliegen", erklärt Lamb. "Es gibt mir all das, was meine Leidenschaft für das Fliegen auszeichnet: den Speed, das Fliegen in geringer Höhe und die Tatsache, dass Millisekunden entscheidend sind."

Lambs erste komplette Saison war 2006, seinen ersten Podiumsplatz machte er im drauffolgenden Jahr perfekt, wurde Dritter in San Diego. Es folgten zweite Plätze 2008 im australischen Perth und 2009 in Barcelona.

Der endgültige Durchbruch folgte 2010. Lambs Leistungen waren konstant auf einem hohen Niveau, er schaffte in jedem Rennen den Sprung in das Final 4, wurde dreimal Zweiter und Dritter in der WM-Gesamtwertung.

Der Schlüssel zum Erfolg war die Erfahrung. Und das Flugzeug. Das Breitling Racing Team hat die MXS-R 2008 Lambs Flugstil und dem Sport angepasst – und erstmals mit Winglets versehen. Das maßgeschneiderte Flugzeug gepaart mit den Stärken von Lamb machten ihn stark: "Es war eine lange Reise, dieses Flugzeug zu entwickeln. Ich fühle mich mit dem Flugzeug mehr verbunden als mit jedem anderen Flugzeug."

Nach der Red Bull Air Race Auszeit nach 2010 tauschte sich Lamb intensiv mit den Organisatoren aus, als die die Rückkehr der Weltmeisterschaft planten. Doch beim Neustart 2014 lief es nicht rund, Lamb verpasste bei den ersten beiden Rennen jeweils das Final 4. Seine zuvor aufstrebende Form schien unterbrochen. Schien....

Denn beim dritten Rennen der Saison 2014 in Malaysia fand Lamb zu alter Form zurück. Der Brite hatte jahrelang Erfahrung bei Airshows in Asien gesammelt. Und davon profitierte er jetzt, gewann sein erstes Rennen überhaupt. Lamb war zurück, stand bei allen fünf weiteren Rennen der Saison immer auf dem Podium – inklusive bei seinem Heimrennen in Ascot – und sicherte sich die WM-Krone nach einem packenden Kampf mit dem Österreicher Hannes Arch und dem Briten Paul Bonhomme. "Es ist ein großartiger Tag – ein unbeschreibliches Gefühl", sagte Lamb nach dem sich der Konfettiregen gelegt hatte.

Seinen Erfolg schreibt Lamb auch seinem Breitling Racing Team zu, darunter dem langjährigen Techniker Nigel "Hux" Huxtable, dem mitreisenden Techniker Mark Hensman, Team-Koordinatorin Victoria Griffiths sowie Track- und Taktik-Analyst Max Lamb. Lambs Sohn Max, ein ausgebildeter Ingenieur, stieß 2014 zum Team, sorgte für die besten Linien im Track und wurde schnell zu einer festen Größe im Team. "Ohne das Team wäre das alles nicht möglich", so Lamb. "Mit Max an Bord haben ich zu meiner Beständigkeit zurückgefunden... Und das hat uns den Titel beschert, da bin ich mir sicher."

Doch Lamb wollte sich nicht auf seinem Titel ausruhen, probierte 2015 neue Dinge an seinem Flugzeug aus, veränderte das Höhenruder. Das Experiment schlug fehl, Lamb wechselte beim vorletzten Rennen in Fort Worth wieder zurück zum originalen Setup und erzielte prompt seine besten Zeiten der Saison.

Beim Saisonauftakt 2016 in Abu Dhabi gab Lamb dann bekannt, am Ende der Saison seine Rennhandschuhe an den Nagel hängen zu wollen. Er wollte sich verabschieden solange das Feuer in ihm noch brennt. Die Probleme mit dem Höhenruder gehörten der Vergangenheit an, und Lamb verbuchte wieder Erfolge. Zweimal stand der Brite auf dem Podium, auf dem EuroSpeedway Lausitz flog er zudem einen fantastischen Streckenrekord. Lamb hätte es vermutlich auch noch auf Platz drei im WM-Ranking geschafft, fehlten ihm doch nur 3,25 Punkte. Aber das Rennen beim Saisonfinale in Las Vegas wurde abgebrochen, blieb ohne Wertung.

Lamb hat zudem das Master Mentor Programm des Red Bull Air Race mit ins Leben gerufen. Hierbei werden ausgewählte Piloten der Challenger Class von Teams der Master Class beraten. Zum Auftakt der Initiative standen Lamb mit seinem Team 2016 dem Challenger Cup Sieger von 2015, Mikael "Mika" Brageot, zur Seite. "Nigel war ein perfekter Lehrer", erklärt Brageot. "Obwohl er selbst noch aktiv als Pilot unterwegs war mit allen was dazu gehört, hat er alles mit mir geteilt."

Lambs letzter Tag im Hangar war "extrem emotional". Viel emotionaler als er selbst erwartet hätte. "Jetzt, wo der Moment gekommen ist, ist es sehr hart. Ich muss sehr vielen Leuten Danke sagen. Wir hatten ein sehr, sehr gutes und außergewöhnliches Team."

Nach seinem Rücktritt hat Lamb nun wieder mehr Zeit, seine Anzahl von 1900 Flugshows in 32 Ländern weiter auszubauen. Und eines ist klar: Der beste Ort, wo man Lamb antreffen kann, ist sein Flugzeug. "Fliegen ist meine Leidenschaft – ein Leben lang", sagt er. "Ich liebe die dreidimensionale Freiheit am Himmel."

 

Der Erbe von Nigel Lamb