Winglet-Boom in Spielberg

Lamb hat den Trend gesetzt, Hall hat ihm die Show gestohlen … Mittlerweile hat sie fast jeder…

Besenyei's new winglets

Der neueste Trend in Sachen Aerodynamik beim Red Bull Air Race ist der Anbau von teilweise bizarren und wundervollen Flügelerweiterungen. Aber was steckt eigentlich dahinter?

In dieser Saison sah man beim Red Bull Air Race viele Teams, die ihre Flügel mit Spitzen oder Winglets versehen haben. Alles mit dem einen Ziel: ein Vorteil gegenüber der Konkurrenz. 2014 war Nigel Lamb noch der einzige Pilot mit Winglets an seinem Flugzeug. In der Saisonpause legte Matt Hall an seiner MXS-R nach. Seither ist Matthias Dolderer mit seiner Edge hinzugekommen. Peter Besenyei an seinem neuen V3-Flugzeug, ebenso wie auch Hannes Arch, trafen in Ascot ebenfalls mit Winglets ein.

Mit standardisierten Motoren und Propellern unterwegs, suchen die Teams nach aerodynamischen Möglichkeiten, um sich einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz verschaffen zu können. Zu den effektivsten Modifikationen zählen derzeit die Winglets.

Spitzen an den Flügeln zu montieren ist nichts Neues. Mike Mangold war der Erste, der Flügelspitzen an seinem Flugzeug installiert hat. Die Edge V2 hatte sehr flache und eckige Kanten an den Flügeln. So begab sich Mangold als erster Pilot an Modifikationen an seiner Edge. Anders als die Winglets von Nigel Lamb, verliefen die Flügelspitzen lediglich parallel zu den Flügeln und waren am Ende leicht angehoben.

Es gibt zwei Typen von Luftwiderständen, die zu einer Verlangsamung der Geschwindigkeit eines Flugzeugs führen können: Profilwiderstand und induzierter Widerstand. Die Form des Flugzeugs und die Struktur der Oberfläche sind entscheidend für die Höhe des Profilwiderstandes. Es ist zu vergleichen mit dem aus dem Fenster halten eines Armes bei voller Fahrt. Je schneller Du bist, je größer ist der Widerstand, den du wahrnimmst. Induzierte Widerstände entstehen durch die Position des Flugzeugs in der Luft während des Flugs, um den Auftrieb zu erhalten. Nimmt die Geschwindigkeit zu, sinkt der induzierte Widerstand.

Winglets reduzieren die Höhe des indizierten Widerstandes, machen das Flugzeug demnach schneller. Das funktioniert, in dem die Luftströmung geglättet wird.

In der Red Bull Air Race Weltmeisterschaft bringen die Winglets am meisten in den extremen G-Turns. Bei einer Wende mit Fliehkräften im Bereich der maximalen Leistungsfähigkeit eines Flügels entsteht eine signifikante Menge von induziertem Widerstand. Mit den Winglets wird dieser reduziert, die Piloten können schneller wenden und sich damit einen Vorteil verschaffen.

Der Red Bull Air Race Experte und zweimalige Weltmeister Mike Mangold sagt: "Der Schlüssel zum Erfolg für die Teams beim Red Bull Air Race ist, sich einen entscheidenden Vorteil gegenüber den anderen Teams zu verschaffen. Es geht so knapp her, da kann sogar eine Flügelspitze den Ausschlag geben."

"Aber warum machen sie es? Sie haben standardisierte Motoren, standardisierte Propeller – das Triebwerk kannst du also nicht verändern. Also musst du das Flugzeug an sich verändern. Und die leichteste Art, dies zu tun, ist, die Flügelspitzen zu modifizieren."

Zwischen einem Winglet und einer Flügelspitze gibt es einen Unterschied. Eine Flügelspitze ist eine Verlängerung der Flügelfläche. Sie ist flach, hat kaum eine vertikale Struktur. Der Winglet indes ist eine Art Spoiler, der in einem anderen Winkel zum Flügel steht.

"Ich glaube, dass immer mehr Piloten zu den Winglets tendieren werden", erklärt Mangold. "Die Zeiten sind eng beieinander, da sucht jeder nach dem kleinen Bisschen, das ihm einen Vorteil bringt – auch wenn es nur eine Hundertstel ist. Da kann auch schon ein Winglet oder eine Flügelspitze den entscheidenden Vorteil verschaffen."

In der Theorie müssten sie Piloten eigentlich für jeden Track ein anderes Winglet nehmen, aber die Umstellung für den Piloten wäre jedes Mal zu groß: "Ich glaube, dass die Teams Winglets designen werden, die zum Flugstil ihrer Piloten passen. Wir werden in Zukunft also viele verschiedene Varianten sehen", ergänzt Mangold abschließend.