Im Gespräch mit dem Champion

Weltmeister Martin Sonka blickt zurück auf einen turbulenten Monat

Sonka und seine Edge

Es ist einen Monat her, dass sich Martin Sonka die heiß begehrte Red Bull Air Race Trophäe in Fort Worth in Texas sichern konnte. Nach einer außergewöhnlichen Achterbahnsaison hat sich der Staub so langsam gelegt, und wir haben beim Red Bull Team Sonka einmal nachgefragt, was in der Zwischenzeit passiert ist...

Das Jahr begann alles andere als gut für Sonka und sein Team. In Abu Dhabi wurde er im Final 4 und in Cannes in der Round of 8 disqualifiziert. Erst in seinem dritten Rennen in Chiba schaffte er zum ersten Mal in dieser Saison den Sprung auf das Podium. Doch ab diesem Zeitpunkt gab es kein Halten mehr für den tschechischen Piloten. Sonka gewann drei Rennen in Folge – damit ist er erst der dritte Pilot, dem dieses Kunststück in einer Saison gelang. Nach einem rabenschwarzen Tag in Indianapolis lag Sonka vor dem finalen Rennen auf Rang zwei in der Weltmeisterschaft. In Fort Worth drehte er dann aber noch einmal richtig auf. Und der Rest – wie man so schön sagt – ist Geschichte.

Jetzt spricht Martin Sonka zum ersten Mal seit dem Gewinn der Meisterschaft darüber, was seither passiert ist...

Nach der Enttäuschung im vergangenen Jahr und dem katastrophalen Start in diese Saison, wie hast du es geschafft, fokussiert zu bleiben, um dein Ziel – die Weltmeisterschaft – zu erreichen?
MS: Das letzte Jahr war eine große Enttäuschung. Es hat uns aber im Finale dieser Saison geholfen. Insgesamt sind wir nicht gut in diese Saison gestartet. Wir hatten in den ersten beiden Rennen zwei technische DQ's. So hat man eigentlich keine Chance, um die Meisterschaft zu kämpfen. Trotzdem haben wir nie aufgehört daran zu glauben, dass wir es noch an die Spitze schaffen könnten. Als Team haben wir bereits ein paar gemeinsame Saisons absolviert, und all die positiven und negativen Erfahrungen haben uns stärker gemacht. Nach dem Sieg in Budapest mit der großartigen Unterstützung der tschechischen Fans lief der Rest der Saison fast einwandfrei. Wir konnten uns von einer schlechten Quali-Session in Kazan erholen und ließen einen weiteren Sieg. Das war wirklich ein großer Ansporn. Wiener Neustadt war dank der tschechischen Fans wieder spektakulär und ein enger Kampf mit Matt [Sonka und Hall waren im Finale 4 nur 0,083 Sekunden voneinander entfernt]. Dann wurden wir in Indy wieder ein wenig zurückgeworfen, aber wir hatten die Spitzenposition immer noch im Visier. Und Fort Worth war ein Traumrennen mit der schönsten Belohnung am Ende! Ich kann nur sagen, dass es das Team war, das diesen Traum verwirklicht hat.

Hat sich dein Leben seit dem Gewinn der Weltmeisterschaft verändert?
MS: Mein Zeitplan ist seit dem letzten Rennen ziemlich voll! Aber es ist definitiv eine positive Konsequenz aus dem erzielten Ergebnis. Die Medien sind viel interessierter, und das Interesse ist immer noch groß, unseren schönen Sport neuen Menschen vorzustellen, die hoffentlich neue Fans werden. Inzwischen denken wir aber schon über die neue Saison nach. Wir müssen bereit sein und unsere Position verteidigen. Das wird schwer genug. Ich denke aber, dass sich mein Leben im Allgemeinen nicht ändern wird. Ich weiß, was es kostet, an dieser Stelle zu stehen. und wenn die Batterien wieder aufgeladen sind, werden wir weiter hart arbeiten. Ich glaube, dass wir noch am Anfang unserer Reise stehen.

Wir konnten bereits beobachten, wie schwer es ist, nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft, den Titel zu verteidigen oder auch nur ein Rennen zu gewinnen. Wie wirst du dich nach dem Gewinn der Meisterschaft fokussieren?
MS: Wir können in vielen verschiedenen Sportarten sehen, dass es noch schwieriger ist, den Titel zu verteidigen, als ihn zum ersten Mal zu gewinnen. Jeder will den Champion schlagen. Es ist eine besondere Motivation, das ist sicher. Wir werden zweimal so hart arbeiten müssen, um darauf vorbereitet zu sein. Aber wir sind auch ein erfahrenes Team und müssen unsere Beständigkeit bewahren, was nicht einfach ist. Aber ich glaube, wir können das schaffen.

Haben dich die Medien in deiner Heimat sehr in Anspruch genommen?
MS: JA! Wie ich bereits erwähnt habe, sind wir sehr beschäftigt. Aber es ist ein Vergnügen nach so einem Ergebnis. Am Ende hilft es unserem Sport, und als Pilot im Red Bull Air Race ist es eine Art Verpflichtung. Ich bin dafür jederzeit bereit!

Wirst du jetzt auch häufiger von den Fans auf der Straße erkannt?
MS: Die Wahrheit ist, dass ich mehr Autogramme gegeben und für mehr Fotos posiert habe als je zuvor. Es macht Spaß, die Fans kennenzulernen und zu hören, dass sie uns angefeuert haben. Wenn dir jemand auf der Straße sagt, dass du dazu beigetragen hast, eine lebenslange Erinnerung für ihn und seine Familie zu schaffen, ist das einfach ein unglaubliches Gefühl. Ich bin demütig und voller Respekt, denn es macht nicht nur Spaß, sondern es macht uns auch engagierter für die Zukunft, schließlich wollen wir sie nicht enttäuschen. Wir bleiben also immer noch auf dem Boden und konzentrieren uns auf den Start in eine weitere Saison voller harter Arbeit. Die neue Saison beginnt genau jetzt...