Air Racing in Budapest früher und heute

Kurz vor dem Rennen in Budapest an diesem Wochenende sprechen die ehemaligen Ikonen des Red Bull Air Race und die aktuellen Aspiranten auf den WM-Titel über den Klassiker im Rennkalender und darüber, wie sich der Sport in den vergangenen 15 Jahren entwickelt hat.

"Budapest war das zweite Rennen in der Geschichte des Sports. Aus diesem Grund ist es immer etwas Besonderes für mich", erklärt der amerikanische Pilot Kirby Chambliss, der seit dem ersten Rennen 2003 bereits zweimal in der ungarischen Hauptstadt gewinnen konnte.

2004 zog das Rennen vom Stadtrand mitten in das Herz der Stadt. Der dreimalige britische Weltmeister Paul Bonhomme erinnert sich an den Moment, als er gehört hat, dass die Rennstrecke über der Donau errichtet wird und die Piloten unter der Kettenbrücke hindurch fliegen müssen: "Ich war super enthusiastisch, wie es Kirby sagen würde, und um ehrlich zu sein, habe ich nicht wirklich daran geglaubt, dass es wirklich passieren würde. Irgendwann hat es gedämmert, und mir war klar, dass es ein wirklich spektakulärer Event werden wird."

Bonhomme erinnert sich auch noch gut an die beeindruckenden Zuschauermassen als der Event 2004 zufällig mit dem St. Stephen's Day zusammenfiel: "Ich war hin und weg. Ich erinnere mich, wie ich gedacht habe: 'Die Leuten wissen, wie man feiert!'"

Der Ungar Péter Besenyei, eine Legende des Red Bull Air Race und maßgeblicher Mitgestalter des Sports, gewann 2003 in Budapest. Er war es, der als Ester unter der Kettenbrücke hindurchflog, und bewies damit, dass das Konzept funktioniert.

"Am Anfang hätte ich nicht gedacht, dass das Fliegen unter der Kettenbrücke hindurch ein Klassiker des ungarischen Programms wird", sagt er. "Viele haben gesagt, dass das verrückt ist, [aber] es war eine präzise und umsichtig geplante Angelegenheit, die weit davon entfernt war, gefährlich zu sein – natürlich nur für Piloten mit der richtigen Erfahrung."

Besenyeis Demonstration überzeugte, bis dato flog der Air Racing Pilot im sportlichen Ruhestand schon über 180 Mal unter der Kettenbrücke hindurch. Doch auch wenn die Brücke immer noch Teil der Budapest-Tradition ist, hat sich sonst einiges verändert. "Die Bedingungen und Regeln haben sich entscheidend seit dem ersten Rennen in Budapest verändert", stellt der ungarische Held heraus. "Eine weitere bedeutende Sache ist, dass sich die Air Gates enorm entwickelt haben. Ich kann mich glücklich schätzen und kann es jedes Jahr austesten. Der Unterschied ist bemerkbar. Sie sind größer, viel stabiler und sie können sehr leicht und schnell repariert werden. Sie sind einfach viel fortschrittlicher."

Steve Jones, der vor seiner Tätigkeit als Renndirektor ebenfalls Red Bull Air Race Pilot war, stellt zudem fest, dass die Strecke aus dem Jahr 2004 ziemlich konträr zu der schnellen, gradlinigen Rennstrecke ist, die Fans am Samstag und Sonntag sehen werden.

"Es war ein hartes Stück Arbeit! Es gab wirklich scharfe Kurven und keine Begrenzung bei der Startgeschwindigkeit. Es gab ein Manöver in der Mitte des Rennens und wir mussten die Strecke auch wieder unter der Chain Bridge hindurch verlassen", so Jones. "Das hat es alles nicht leicht gemacht, die Strecke in gekonnter Manier zu bewältigen! Das moderne Rennen verlangt viel mehr ausgefeiltes und rennfokussiertes Racing."

Doch das war nicht der einzige Unterschied. Jones: "Die Infrastruktur des Flugplatzes war ebenfalls noch in der Entwicklung. Unsere Hangars waren recht simpel und haben den Flugplatz ausgefüllt, da gab es kaum Platz für irgendetwas anderes. Der gesamte Flugplatz wurde von einem Typen betrieben, und wir halfen mehr oder weniger aus. Wir hatten nicht diesen kurzen Abstand zwischen Round 8 und dem Final 4 wie beim heutigen Rennen."

Die Rennflugzeuge und die Teams in den Hangars unterschieden sich ebenfalls, so Bonhomme: "Ich flog meine Sukhoi 26, ein fantastisches Flugzeug, aber total ungeeignet für diese Art des Air Racings." Und Jones ergänzt: "2004 bestanden Teams normalerweise nur aus dem Piloten und einem Ingenieur (Techniker). Wir haben sehr viel in den vergangenen Jahren gelernt."

Auch der US-Amerikaner Michael Goulian hatte bei seinem ersten Rennen in Budapest 2006 nur einen Techniker in seinem Team. "Die Rolle des Team-Koordinators wurde kurz darauf eingeführt. Heute sind auch der Rennanalyst und Taktiker fundamentale Bestandteile eines jeden Renn-Teams. Das hat die Latte mit Sicherheit noch höher gelegt", erklärt er und merkt an, dass er zusätzlich zu den Leuten im Hangar auch in der Heimat Teammitglieder hat, die ihn unterstützen. "Jeder flog damals fabrikgefertigte Flugzeuge, Sukhois, CAPs, Extras, bevor dann die Zeit der Edge 540 kam. Heutzutage ist das Level der Professionalität um einiges höher und umfassender: von Flugzeug-Analyse, und –Entwicklung bis hin zu den Testprogrammen, der Rennintelligenz und Strategie. Es ist ein viel größerer und komplexer Sport als früher!"

Der aktuell Führende in der Weltmeisterschaft, Matt Hall, beschreibt den technologischen Status bei seinem ersten Flug in Budapest. "2009 war unser Flugzeug wirklich ein reines Kunstflugzeug mit einigen Geschwindigkeits-Modifikationen. Unser einziger Ausgangspunkt für die Datenanalyse war eine Videokamera. Dann haben wir uns alles angeschaut und einen Plan gemacht", erklärt der Australier. "Jetzt ist unser Taktiker unsere größte Waffe beim Thema Datenanalyse. Er hat die Onboard-Telemetrie entwickelt. Die gibt uns detailliert Aufschluss darüber, wo sich das Flugzeugs im Track befindet und wo es für die ideale Linie sein sollte."

Hall lächelt, als er daran denkt, wie er sich als Newcomer unter der Kettenbrücke hindurch navigiert hat und sogar noch tiefer flog als nötig, um sicher zu gehen, dass sein Heck genügend Platz hat. "Heutzutage ist es kein Problem und einfach. Da die Startgates direkt nach der Brücke kommen, ist man so auf einen guten Start fokussiert, dass du schon unter der Brücke bist, bevor du es überhaupt realisierst!"

Das Rennen fliegt im wahrsten Sinne des Wortes an den Piloten vorbei. "Budapest wurde sofort zum Klassiker, und mit den Jahren kamen immer weitere Elemente hinzu... Jetzt, wo ich es kommentiere, kann ich es sogar noch mehr genießen", sagt Bonhome, die Stimme der Live-Übertragung. "Denk an die armen Piloten, die können es lediglich für zwei Minuten am Tag des Qualifyings und drei am Race Day sehen, wenn sie glücklich sind! Als Zuschauer kann man wirklich die ganze Atmosphäre und das Spektakel aufsaugen."

Doch für die, die den Klassiker gewinnen können, steht dieser Augenblick für einen Moment still. "An meinen Sieg in Budapest [2006] habe ich definitiv eine der besten Erinnerungen von all meinen Rennen. Die Menschenmenge war unfassbar groß – die Atmosphäre war unbeschreiblich und aus aus dem Cockpit heraus zu spüren", erinnert sich Jones. "Ich habe selten so viele Leute an einem Ort gesehen. Einfach nur wunderbar."

Goulian, der zusammen mit Hall im Gesamtklassement punktgleich an der Spitze des WM-Rankings steht, erklärt: "In Budapest zu gewinnen, ist ein entscheidender Moment in der Karriere. Es ist die Heimat von Péter Besenyei, es ist schon so lange Teil des Rennkalenders, und das Rennen über der Donau ist eine einzigartige Location – jeder liebt es! Ich hoffe, dass ich die Chance bekomme, erneut in Budapest zu gewinnen. Das wäre jetzt etwas ganz Besonderes!"

Erlebe den Klassiker am 23./24. Juni. Tickets sind HIER erhältlich.

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