Bonhomme blickt zurück auf das finale Rennen

Der dreimalige Weltmeister bewertet die Leistungen der Piloten in Chiba

Das letzte Rennen waren an Dramatik und Spannung kaum zu überbieten, aber jetzt, nachdem sich der Staub allmählich gelegt hat, spricht der 19-malige Rennsieger Paul Bonhomme über die Performance der Piloten beim allerletzten Red Bull Air Race.....

14. Petr Kopfstein
Petr verbesserte seine Läufe während des Freien Trainings kontinuierlich und belegte im Qualifying einen sehr respektablen sechsten Platz – lediglich eine Sekunde hinter dem Führenden. Die tschechischen Fans durften sich also große Hoffnungen auf ein erfolgreiches Wochenende machen, weil ihre beiden Piloten gut flogen. Peters Wochenende nahm jedoch ein abruptes Ende, nachdem er mit 192 Knoten, zwei Knoten über der erlaubten Anfangsgeschwindigkeit, durch das Startgate flog. War das ein taktischer Fehler? Wenn man es mit genau 190 versucht, ist es sehr einfach, dass eine Böe oder ein Windwechsel dich beeinflusst, so führte es in diesem Fall zu einem DNF. Eine Schande, zumal der eigentliche Lauf wunderschön war.

13. Martin Sonka
Martin hatte zunächst eine fantastische Woche, war bei zwei Freien Trainingssessions der Schnellste, Zweiter im Qualifying und sicherte sich damit zwei Punkte. Es war auf dem Weg zum WM-Titel. Doch der Traum zerplatzte an Gate 9 mit 11,28G. Der Wind hatte von Süden zugelegt, und es war vielleicht ein klassischer Fall von höherem Airspeed im Gegensatz zum Groundspeed, was bei Martin den Eindruck auslöste, dass er im VTM härter am Steuer agieren musste. Er wird sich sehr ärgern, aber zumindest hat er eine WM-Trophäe vom letzten Jahr!

12. Matthias Dolderer
Matthias fand seine Form in der Quali und lag nur vier Zehntelsekunden hinter der Siegerzeit. Leider war er dann eine Sekunde langsamer als Pete McLeod, und das obwohl der Kanadier eine Strafsekunde für eine Überschreitung der Streckenbegrenzung kassiert hatte. Es sah für mich so aus, als wäre er zu vorsichtig mit dem G an den Gates 9 und 13 in den VTMs umgegangen. So oder so wäre es schwer geworden, weil der fitte Pete McLeod eine der schnellsten Zeiten des Tages geflogen ist. Wie Martin Sonka hat auch Matthias eine WM-Trophäe zu Hause, die ihm niemand mehr nimmt –und eine ganze Reihe fantastischer Erinnerungen.

11. Cristian Bolton
Cristian flog am Freitag überhaupt nicht und verpasste wegen eines Problems mit dem Ölkühler beide Trainingseinheiten. Ein harter Brocken, weil das Team dadurch wertvolle Zeit im Track verlor und nichts analysieren konnte, was ihnen am Quali-Tag weitergeholfen hätte. Das war sicherlich auch der Grund, warum er bei seinem ersten Quali-Lauf die Sicherheitslinie überschritt und ein DQ erhielt. Infolgedessen entschied er sich in der Round of 14 für eine sichere Taktik (meiner Meinung nach klug), aber es reichte nicht aus, um Monsieur Le Vot das Wasser zu reichen.

10. Juan Velarde
Juan Velarde flog die ganze Woche über hervorragend. Es lief wie am Schnürchen.... Zweiter im FT1, 2 und 3. Dann gewann er das Qualifying und kassierte dafür schon die ersten drei Punkte – noch bevor das Rennen überhaupt begonnen hatte. In der Round of 14 traf er auf Kirby Chambliss, fand aber aus irgendeinem Grund nicht ins Rennen. Er benötigte zu viel Zeit in den VTMs, aber sonst gab es keinen ersichtlichen Grund. Eine Schande nach einer wirklich spektakulären Woche…

9. Michael Goulian
Mike hat gelernt, wie wichtig die Quali-Position ist. Er flog gut, vor allem im Q2, doch dann überschritt er knapp die Streckenbegrenzungslinie nach Gate 9 (er flog dort flach) und das ruinierte eine ansonsten gute Zeit. Der daraus resultierende achte Platz in der Quali resultierte mi Duell mit Matt Hall in der ersten Runde. In der Round of 14 sah es dann so aus, als ob er am letzten Pylon der Schikane ein wenig zu geflogen ist. Diese zusätzliche Zeit Matt Hall aus, um sich an Matt Hall vorbeizuschieben.

8. Ben Murphy
Ben muss den Schock seines Lebens erlebt haben, als er die Konstellationen für die Round of 14 sah. Er musste gegen den Lokalmatador fliegen, der zuvor deutlich gesagt hatte, dass er zu Hause erneut gewinnen will. Doch das hat Ben überhaupt nicht beeindruckt. Er flog einen atemberaubenden Lauf, der den japanischen Piloten fast aus dem Rennen geworfen hätte. Hätte Ben jemals wieder auf die Straßen Japans gehen können? Glücklicherweise war Yoshi der Fastest Loser. In der Round of 8 musste Ben dann gegen Pete McLeod ran. Das lief nicht so gut, weil er das Set-Up von Gate 2 bis 3 falsch einschätzte und den ersten Pylon der Schikane mit seinem Heck berührte. Ein Incorrect Level an Gate 9 beendete seinen Renntag dann endgültig.

7. François Le Vot
Beinahe wäre es ein makelloses Qualifying von François gewesen. Doch im zweiten Durchgang drehte er sich an Gate 8 etwas zu früh und verpasste so den Sieg in der Quali. Der dritte Platz war aber immer noch ein gutes Ergebnis für den Samstagsflug. Am Race Day setzte sich diese Form fort. Er gewann sein Duell in der Round of 14 und musste dann in der Round of 8 gegen den schnellen Yoshi Muroya antreten. Yoshi hatte den Vorteil, zuerst zu fliegen, und das machte er wie immer sauber und schnell... Hat diese schnelle Zeit den Rhythmus von François durcheinander gebracht und zu viel von ihm abverlangt? Ein Incorrect Level an Gate 8 und ein Pylonentreffer an Gate 10 ruinierten seine Chancen auf Erfolg. Ärgerlicherweise hätten sowohl François Zeit aus dem Qualifying als auch die aus der Round of 14 ausgereicht, um Yoshi zu bezwingen...

6. Mika Brageot
Mika qualifizierte sich als Neunter, weil er am Samstag nicht seinem üblichen Tempo fand. Sein Fliegen sah im ersten Lauf aggressiv aus (was normalerweise in einer langsameren Zeit resultiert) und sein Q2 war dann noch langsamer. Das Glück nahm in der Round of 14 seinen Lauf, als sein Gegner Kopfstein zu schnell startete und einen DNF kassierte. In der Round of 8 fand Brageot gegen Matt Hall sein Tempo dann wieder zurück. Aber er kassierte eine Strafsekunde für ein Over-G – ohne die hätte er beinahe den Australier geschlagen.

5. Nicolas Ivanoff
Einer der Höhepunkte des Wochenendes war wahrscheinlich das Duell von Nicolas gegen Kirby in der Round of 8: Zwei Piloten, die mit am längsten dabei sind, und sie lagen lediglich drei Zehntelsekunden auseinander. Nico musste sich am Ende geschlagen geben. Neben diesem Highlight dürfen wir auch nicht Nicolas großen Triumph in der Round of 14 vergessen. Mit seiner Zeit von 58,5 Sekunden, inklusive einem Strömungsabriss an Gate 9, war er schnell genug, um Druck auf Martin Sonka auszuüben, der an Gate 9 ein Over-G kassierte, aus dem Wettbewerb ausschied und auch die Chance auf den WM-Titel verspielte.

4. Pete McLeod
Pete zeigte starke Leistungen im Vorfeld des Wochenendes. Er stand im FT3 an der Spitze des Rankings. Die Quali lief nicht ganz so gut mit einem Sicherheitsausstieg, gefolgt von einer Strafe für Climbing an Gate 5. Doch wir hatten zuvor bereits gesehen, wie sauber Pete fliegen kann. Der Sonntag begann sehr gut und er raste zunächst durch die Round of 14 (gegen den Weltmeister von 2016, Dolderer) und dann im gleichen Tempo durch die Round of 8 (gegen Ben Murphy). Er wusste, dass er im Final 4 viel riskieren musste, traf dabei Gate 2 und kassierte ein Incorrect  Level an Gate 8, was Matt Hall – der nun im Final 4 nur noch eine Podiumsplatzierung benötigte – den Tag wesentlich leichter machte.

3. Matt Hall
Matt muss sich gefragt haben, was er nach dem Freien Training tun soll. Während er gut flog, waren die Zeiten langsam. Die Taktik spielte an seinem Wochenende eine große Rolle. Und das machte er wie gewohnt hervorragend. Wie Nigel Lamb 2014 bereits bewiesen hatte, muss man nicht alles gewinnen, um Weltmeister zu werden – so wie Matt hier in Japan. Ich habe es erlebt, und ich weiß, wie es sich anfühlt... Es gab eine Zeit, in der man dachte, vielleicht soll es einfach nicht sein, doch seine australische Entschlossenheit machte während der gesamten Saison und auch am Ende den Unterschied. Auch wenn das Final 4 einfach für ihn aussah (er sollte dem Kanadier ein Bier ausgeben), lastete ein immenser Druck auf ihm. Doch er hat es geschafft...

2. Kirby Chambliss
Ein weiterer Pilot, der es an diesem Wochenende den Aufstieg von den hinteren Plätzen nach oben schaffte, war der Veteran aus Texas! Die freien Trainingseinheiten beendete er auf den Plätzen 11, 9 und 13, gefolgt von einem letzten Platz im Qualifying. Es sah für Kirby nicht nach einem erfolgreichen Wochenende aus. Doch seine Professionalität setzte sich durch, er gewann seine Läufe in der Round 14 und 8 überzeugend und landete als Zweiter auf dem Podium. Ein spektakuläres Ergebnis und der eindrucksvolle Beweis dafür, dass Erfahrung eine enorme Rolle spielt.

1. Yoshi Muroya
Yoshi sollte ein Buch darüber schreiben, wie man den Druck des Heimrennens zu seinen Gunsten nutzt. Das ist das dritte Mal, dass er zu Hause gewonnen hat, und die japanischen Fans sind so begeistert, dass man davon als Pilot extrem abgelenkt werden kann. Irgendwie hat der Pilot aus Fukushima jedoch die Gabe, all diese Aufmerksamkeit darauf zu lenken, dass sein Flugzeug schnell fliegt. Die mentale Stärke, die erforderlich ist, um in den Rennmodus zu wechseln, ist enorm. Und Yoshi hat uns eine meisterliche Leistung gezeigt, wie man das unter Druck macht (und auch die Bedeutung des Fastest Loser Spots in der Round of 14). Er hat alles gegeben, und es war ein großartiger Versuch, die Weltmeisterschaft zu holen. Ich weiß, dass er nicht glücklich sein wird, aber ein Sieg in Japan und der zweite Platz in der Weltmeisterschaft sind ein sehr gutes Ergebnis.

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