Bonhomme hat das letzte Wort zu Abu Dhabi

Der dreimalige Weltmeister blickt zurück auf den Saisonauftakt

Der Auftakt 2019 in Abu Dhabi war gespickt von Machtkämpfen und Spannung. Die größte Rolle spielte allerdings der Wind. Wie ich bereits geschrieben habe, und wie es jeder Windsurfer unterschreiben würde, dreht sich der Wind in der Regel um die Mittagszeit und kommt vom Meer.

Seit wir hier fliegen, passiert das normalerweise immer. Auch deshalb ist ein Training am Vormittag auch nicht die ideale Vorbereitung für ein Rennen am Nachmittag. Es ist nicht das erste Mal, dass der Wind am Race Day die Richtung ändert, aber es ist das erste Mal, dass ich es in Abu Dhabi erlebt habe. Der Wind kam nicht nur aus dem Südosten, er war zudem auch ziemlich stark – stark genug, um die meisten Piloten am Race Day massiv aus dem Rhythmus zu bringen.

Als Rennpilot kannst du nicht auf den Morgen des Race Days warten, um zu sehen, was der Wind macht. Du musst für alle Windbedingungen gerüstet sein, und wenn du in den Track fliegst, und du musst ganz genau wissen, wie sich der Wind verhält, wie es sich anfühlt und wie du das Flugzeug ausrichten musst.

Du kannst Tausende von Dollar für Modifikationen ausgeben, die dich schneller machen, um eine Zehntelsekunde zu sparen. Wenn du dann aber eine Zwei-Sekunden-Strafe erhältst, weil du die Windverhältnisse nicht in deinem Kopf einstudiert hast, ist das alles im wahrsten Sinne des Wortes Zeitverschwendung. Es ist wichtig, ein schnelles Flugzeug zu haben, aber man muss fehlerfrei fliegen, keine Strafen kassieren, in den Gates horizontal und vertikal gerade ausgerichtet sein, kein Over-G in Kauf nehmen, einfach nur sauber liegen.... Verstanden?

1. Der Flug muss präzise und die Taktik aggressiv sein, nicht umgekehrt.
2. Die Piloten, die statt aggressiv eher präzise fliegen, werden eher Erfolg haben.
3. Die Bedeutung der mentalen Visualisierung vor und während eines Renntages kann nicht genug betont werden.
4. Du brauchst einen Plan für jegliche Windverhältnisse, damit du diesen kurzfristig abrufen kannst.

Pilotenfazit

14. Christian Bolton
Positiv für die chilenischen Fans war, das Christian im 3. Freien Training auf dem zweiten Platz gelandet ist, was kurz vor dem Qualifying ein gutes Zeichen war. Er flog in der Quali sauber, war aber seltsamerweise weit von seinen FT3-Zeiten entfernt. In der Round of 14 hatte mit den unvorhersehbaren Windbedingungen zu kämpfen, die sich im Gegensatz zum Quali-Tag um 180 Grad verändert hatten. Er war einer von vielen, die mit dem Rückenwind an Gate 7 zu kämpfen hatten. Dadurch verkürzte sich die Zeit für die Piloten, um sanft die Wende einzuleiten..... Seine 12,4 G an dieser Stelle führten zu einem DNF.

13. Ben Murphy
Ben ist clever geflogen: Er machte all seine Fehler im Freien Training und flog im Qualifying sauber. Auch die Taktik im Qualifying war schlau; ein "sanftes" Q1, gefolgt von aggressiveren VTMs im Q2, brachte ihm Platz sieben. Einziger Haken: Der 7./8. Lauf in der Round of 14 liegt immer eng beieinander, weil beide Piloten am Samstag in der Mitte des lagen. Ben traf dadurch auf Matt Hall, der ihm die Tür öffnete, indem er eine Strafe für Incorrect Level an Gate 7 (wieder Rückenwind) kassierte... Ben sagte, dass er vor dem Lauf Probleme mit seinen Instrumenten hatte und dass er aufgrund der zusätzlichen Arbeitsbelastung die Probleme, die andere am Gate 6-7 hatten, nicht rechtzeitig erkannte. Er verursachte ein Over-G nach Gate 6 und einen Pylonentreffer an Gate 7.

12. Francois Le Vot
Le Vot war einer der wenigen Piloten, der die “S”-Kurve nach der Schikane ausprobierte, um einen Vorteil zu erlangen, indem er am Gate 3 nach rechts flog. Es war ein mutiger Schritt, und zu Beginn der Woche hätte es wahrscheinlich funktioniert. Aber als alle anderen die Taktik "gerade zum Gate 3, gefolgt von einem geradlinigen Steilflug" gewählt hatte, schien es so, als würde die schwierige S-Kurve in Kombination mit der Drehung nach rechts Gate 3 ein hohes Risiko (Incorrect Level Gate 3) und nur einen geringen Zeitvorteil mit sich bringen. Francois' Round of 14 und damit auch sein Wochenende wurden von einem schnellen Velarde gestoppt.

11. Matthias Dolderer
Matthias hatte eine interessante Woche. Er übte die ganze Woche die "Schikane zum Gate 3 mit der S-Kurve", wechselte dann aber am Quali-Tag zur "geradlinigen" Taktik. Und abgesehen von seiner zweitbesten Zeit im FT1 hatte er mit der Kontrolle der G‘s zu kämpfen. Leider passierte der Fehler gerade im falschen Moment im Q2. Die zweite Strafe warf ihn im Qualifying zurück – von einem fast sicheren zweiten Platz auf den zehnten Rang. Ärgerlich, denn als Zehnter startet man am Race Day zuerst. Demnach hatte er als Erster mit dem Rückenwind in der vorletzten Kurve der Runde zu kämpfen. Er bekam ein Incorrect Level an Gate 14 und der Heat ging schließlich an Mika Brageot. Ein perfektes Beispiel, dass winzige Fehler das Wochenende entscheiden können.

10. Petr Kopfstein
Oh, das war knapp für Kopfstein. In der ersten Runde des Race Days kassierte er zwei Strafsekunden für Incorrect Level an Gate 14 (verursacht durch den lästigen Rückenwind). Damit hatte Goulian in der Round of 14 leichtes Spiel. 53,816 Sekunden wäre seine Zeit gewesen, wenn Petr fehlerfrei geflogen wäre, und das hätte schon gereicht, um Mike Goulian etwas unter Druck zu setzen. Eine gute Lektion, dass man in jedem Lauf sauber fliegen muss.... Selbst mit einem neuen Motor hätte er die Zeit nicht aufholen können.

9. Pete McLeod
Pete flog ein wunderschönes Qualifying und war Zweitschnellster. Der einzige Haken lag im Parc Fermé – seine Motorzündung lag leicht außerhalb der Regeln (das Magneto-Timing muss innerhalb von 20-25 TDC liegen). Niemand vermutete hier eine Unsportlichkeit, doch der Regelverstoß kostete ihn den zweiten Platz im Qualifying. Diese Art von Drama hat immer einen Effekt, aber Pete kam zurück und wollte Kirby in der Round of 14 unbedingt schlagen. Doch auch er war dem Rückenwind, mit dem sich jeder an Gate 6-7 auseinandersetzen musste, ausgesetzt. Pete korrigierte zu spät und kassierte zwei Sekunden Strafe für “Not-Flying” in Gate 7. Ein weiterer Beweis dafür, dass die Grenzen so eng beieinander liegen und man während des gesamten Laufs perfekt fliegen muss.

8. Kirby Chambliss
Team Chambliss ruinierte der Bruchteil einer Sekunde, in der sie zu früh in Gate 3 hochgezogen haben, die Round of 8. Besonders ärgerlich, weil es ein unnötiges Risiko war. Er war bereits auf dem Weg, den Lauf zu gewinnen, und das Risiko hätte er sich für das Final 4 aufheben sollen. Zumal Nicolas Ivanoff keine besonders gute Zeit hatte. Wie wir bereits gesehen haben, muss die mentale Visualisierung eines jeden Streckenlaufs perfektioniert und in der Strecke umgesetzt werden.

Schaut wieder rein, wenn Paul Bonhomme über die sieben besten Finisher von Abu Dhabi berichtet...

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