Den G-Kräften trotzen

Die Piloten erklären, wie sie mit den G-Kräften umgehen

Ähnlich wie Militärpiloten erfahren auch die Red Bull Air Race Piloten enorme G-Kräfte, aber im Gegensatz zu den hochqualifizierten Kampfjet-Piloten tragen die Air Racing Piloten keine Kompressions-G-Anzüge. Die beiden ehemaligen Kampfpiloten sowie Welt- und Vizeweltmeister von 2018 erklären, wie sie dem zwölffachen Körpergewicht widerstehen.

In den rund 60 Sekunden, die ein Run im Red Bull Air Race Track dauert, werden die Körper der Piloten durch die G-Kräfte, die in den vielen Kurven und Wendemanövern auftreten, ständig gedehnt und wieder komprimiert. Und das Ganze in kürzester Zeit, erreichen die Piloten 10G in nur 0,03 Sekunden.

“Es ist extrem hart, das kann ich dir sagen”, erklärt der Weltmeister von 2018, Martin Sonka, der in der tschechischen Luftwaffe mit dem Überschallflugzeug JAS-39 Gripen und der L-159 ALCA geflogen ist. “Natürlich ist es physisch eine harte Nummer, weil der Köper durch die vielen G-Kräfte ständig beansprucht wird und man parallel das Flugzeug mit einer Genauigkeit von nur einem Millimeter steuern muss. Der Körper muss sehr stark sein, weil ihn sonst die äußeren Kräfte bewegen. Und das führt wiederum dazu, dass der Arm die Steuerung beeinflusst, was zu Bewegungen des gesamten Flugzeugs führt.”

“Das sind Dinge, die die Leute gar nicht wissen”, stimmt ihm der frühere Staffelkommandant und Kampfpilot der Australischen Air Force sowie letztjährige WM-Zweite, Matt Hall, zu. “Wenn ich Leute mit auf einen Flug nehme und ihnen zeige, wie es ist, im Racetrack zu fliegen, spannen sie ihre Arme heftig an. Als Pilot musst du aber eine ganz ruhige und lockere Hand haben, wenn man die G-Kräfte drückt oder ganz schnell von links nach rechts dreht. Du brauchst einen angespannten Körper, aber dein rechter Arm muss extrem relaxed sein”, fügt Sonka hinzu. “Ein Run durch den Track ist so wie ein Workout mit Gewichten im Fitnessstudio – beim ersten Drücken hat man noch Power, beim zehnten oder zwölften sieht das schon ganz anders aus. Wir müssen uns fit halten, damit wir vom ersten bis zum letzten Manöver keine Kraft verlieren.”

Dr. Thomas Drekonja, der das medizinische Team des Red Bull Air Race leitet, erklärt, dass es bei den Athleten um mehr als nur Fitness geht. “Die Flugsessions sind kurz, aber es gibt einige von ihnen am Tag, und das erfordert Ausdauer. Hinzu kommt, dass sie in kleinen, zusammengebauten Flugzeugen sitzen – der Sonne, dem Wetter und den Elementen ausgeliefert. Es kann sehr kalt, aber auch sehr heiß sein – bis zu 50 Grad [Celsius] wenn das Kabinendach geschlossen ist.”

Beim Fliegen mit hohen Fliehkräften wirken auf Hall, der inklusive seiner Ausrüstung rund 75 kg auf die Waage bringt, knapp 900 kg. Hinzu kommt, dass sich das Blut bei diesen Bedingungen in den unteren Extremitäten ansammelt. Das ist auch der Grund, warum Kampfpiloten Kompressions-Anzüge tragen. Auch beim Red Bull Air Race wurde überlegt, G-Anzüge einzuführen, allerdings mit einer Flüssigmembran statt den aufblasbaren Modellen der Kampfpiloten. Aber die Phasen mit hohen G-Kräften, denen die Air Racing Piloten ausgesetzt sind, sind so kurz, dass der Anzug seine Wirkung gar nicht entfalten kann.

“In einem Kampfjet können die hohen G-Kräfte bis zu 60 Sekunden andauern”, so Hall. “Bei unseren Rennen sind wir noch mehr G ausgesetzt – bis zu 12 G im Vergleich zu 7,5 in einer Hornet und 9 in einem Eagle – aber bei uns ist es nur sehr kurz.”

Statt der G-Anzüge sorgen die Piloten für die nötige Kompression, indem sie die Muskeln in den Armen, Beinen und im Bauch anspannen, was zu einer Reflexion führt. Fliegen ist die beste Möglichkeit, G-fit zu bleiben, aber alle Piloten absolvieren spezielle Trainingsprogramme außerhalb des Cockpits, und sie werden physisch überwacht, um die Leistung ihres Körpers in der Luft und am Boden zu vergleichen.

“Ich liebe jeden Sport, aber ich musste das Training im Fitnessstudio runterfahren, weil größere Muskeln mehr Gewicht haben", erklärt Sonka. “Ich kompensiere das durch aerobes Training wie Laufen, Radfahren oder Schwimmen. Im vergangenen Jahr war ich fast täglich im Schwimmbad. In diesem Jahr konzentriere ich mich vor allem auf die Kernmuskeln, arbeite viel mit dem eigenen Körpergewicht.”

Hall gibt indes eine Übung Preis, die er selbst als “asymmetrischen Kern” bezeichnet: “Ich stehe auf einem Bein, greife nach vorne und hebe ein Gewicht vor mir auf. Danach lege ich es wieder vor mir ab. Dadurch lerne ich, auch unter Belastung präzise zu sein.”

Fans, die die Live-Übertragungen des Red Bull Air Race regelmäßig verfolgen, haben mit Sicherheit schon wahrgenommen, dass Hall seine rechte Hand kurz bevor er in den Track startet noch einmal schüttelt. Damit will er sicherstellen, dass seine Hand- und Armbewegungen locker sind, auch wenn der Rest seines Körpers angespannt ist.

Während Sonka und Hall großen Wert auf einen optimalen Trainingszustand legen, um im Track das beste Ergebnis zu erzielen, gibt es für Dr. Drekonja und den Rest der Red Bull Air Race Organisation noch einen wichtigeren Grund, warum eine hervorragende körperliche Fitness von Nöten ist. “Dieser Motorsport erfordert ein großes, technisches Können. Sportlich zu sein, ist dafür nur fördernd. Für uns steht aber ein ganz anderer Grund im Vordergrund: die Sicherheit. Wir laden die Piloten zu einer Überprüfung in das Red Bull High Performance Center ein. Und zwar nicht, damit sie schneller werden, sondern, weil wir sichere Piloten in unseren Reihen haben wollen, die den extremen Belastungen standhalten können und ihren Sport auf einem Level ausüben, das eine gewisse Sicherheit für sie selbst und alle Beteiligten garantiert.”

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