Designt, um zu gewinnen – das steckt hinter dem Look der Rennflugzeuge

Jedes Team in der Red Bull Air Race Weltmeisterschaft möchte herausstechen – und das natürlich auch mit dem Motiv des Rennflugzeugs. Im ersten Teil dieser zweiteiligen Serie blicken wir auf den kreativen Prozess hinter den einzigartigen Designs.

Es gibt vieles, das beim Design der Rennflugzeuge beachtet werden muss: Werden es die Fans wiedererkennen? Inwiefern hebt es sich von der Kulisse des Red Bull Air Race ab? Und repräsentiert es genau das, wofür das Team steht?

Victoria Griffiths, Team-Koordinatorin von #11RACING mit Mika Brageot als Pilot, bringt das wichtigste Ziel auf den Punkt: "Wir wollten anders aussehen – total anders als die restlichen Flugzeuge in diesem Rennen."

Für seine erste Master Class Saison im Jahr 2017 hatte der französische Pilot ein cooles Retro-Design. Aber pünktlich zur zweiten Saison wollte das Team ein Design, das die Energie und das Potential von Brageot, der mit 30 Jahren der jüngste Pilot der Weltmeisterschaft ist, widerspiegelt.

Die Antwort war ein Design, das man in dieser Art zuvor noch in keinem der bislang 80 Rennen gesehen hatte. „Wir wollten ein junges, futuristisches Gefühl. Mika hatte die Idee, einen schwarzen Chrom-Effekt zu benutzen. Deshalb haben wir nach einer Firma gesucht, die diesen Plan realisieren konnte", erklärt Griffiths. "Wir wollten zudem eine totale Neugestaltung und haben uns dafür Hilfe vom Designer Adrien Paviot geholt."

Das beispiellose Chrom-Design barg jedoch ein gewisses Risiko, doch das Team befand sich in erfahrenen Händen. Denn Paviot ist durchaus bekannt, wenn es um Motorsport-Designs geht. Er entwickelte unter anderem für Rally-Superstar Sébastien Loeb das Design seines Peugeot 208, mit dem er Pikes Peak gewann. Zudem bekam er vom Team #11RACING hinsichtlich der eigenen Vorstellungen einen zusätzlichen Input: "Wir wollten ein Design, das elegant und klassisch ist, aber immer noch nach Rennen aussieht", so Griffiths.

Genau wie Brageot startete auch der chilenische Pilot Cristian Bolton in diesem Jahr mit einem neuen Look in seine zweite Saison. Er arbeitete mit Juan Manterola und Travis Earnest aus der Floridas Pro Racing Group zusammen, um seine Ideen umzusetzen. "Wir haben während der Saisonpause hart daran gearbeitet, eine neue Lackierung zu entwerfen", erklärt der einzige Pilot beim Red Bull Air Race aus Lateinamerika. "Unser Ziel war ein dynamisches Design, das die Geschwindigkeit des Rennflugzeugs widerspiegelt. Zusätzlich wollten wir die gesamte Power aus der grünen Farbe herausholen, die wir bisher verwendet haben."

Das Ergebnis war ein abstraktes Muster aus geometrischen Formen, das den Eindruck erweckt, dass sich das Flugzeug bewegt, auch wenn es gerade stillsteht. Bolton lächelt: "Die Reaktion der Fans war großartig!"

Auch der Weltmeister von 2016, Matthias Dolderer, entschied sich, 2018 in ein neues Design zu investieren. Ein großer Teil seines Flugzeugrumpfes benötigte nach diversen aerodynamischen Anpassungen ohnehin eine neue Lackierung. Zudem sollte das Design auch einen neuen Partner des Teams darstellen. Der Deutsche wollte allerdings auch den Widerkennungswert, den das Team in den vergangenen sechs Jahren aufgebaut hat, beibehalten. "Wie immer, habe ich versucht, sehr schlicht beim Design zu bleiben. Ich wollte wie üblich unseren weißen Hintergrund behalten", erklärt Dolderer. "Wir haben mit Mirco Pecorari aus Italien zusammen gearbeitet. Er ist sehr bekannt in der Szene und hat bereits mein erstes Flugzeug fürs Kunstfliegen in 2008 entworfen."

Da die Rennflugzeuge das ganze Jahr über zu den internationalen Stationen transportiert werden, ist es schwer, im Laufe der Saison Veränderungen an der Lackierung durchzuführen. Aus diesem Grund verwendete Dolderer Sticker, um sein schwarz-rotes Design auf dem weißen Untergrund umzusetzen. "Dafür gibt es mehrere Gründe. Wichtig ist, dass wir es so leicht wieder verändern können, wenn wir zum Beispiel von einem neuen Partner oder Sponsor unterstützt werden."

Der neue Look, den Dolderer zum ersten Mal beim zweiten Rennen in Cannes präsentierte, war ein gutes Beispiel dafür, dass das Rennflugzeug selbst nur die Spitze des Eisbergs ist, wenn sich das ganze Team-Design ändert. "Bei einem Design-Konzept muss man sich immer die Frage stellen, was man verändern will. Wir haben das Hangar-Design, den Rennanzug, die Autogrammkarten, einfach alles verändert", so Dolderer.

Und wie kam nun das spiegelähnliche Chrom-Design von Brageot und #11Racing an? "Die Reaktionen war sehr positiv. Es ist anders, hat einen hohen Widererkennungswert und zieht dadurch viel Aufmerksamkeit auf sich", sagt Brageot. "Wir lieben es, wie die Pylonen reflektiert werden, wenn das Flugzeug an ihnen vorbeifliegt und wie es selbst den blauen Himmel reflektiert. Das Flugzeug erwacht zum Leben wie ein Chamäleon!"

Kommende Woche folgt der 2. Teil: Wie kann eine Designveränderung die Performance des Rennflugzeugs beeinflussen? Und was passiert, wenn es nicht so funktioniert wie geplant?

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