Die Geschichte des Red Bull Air Race

Als die Ideenschmiede von Red Bull zu Beginn des Jahrtausends das Red Bull Air Race ins Leben rief, war das Ziel, die weltweit modernste Herausforderung im Luftsport zu erschaffen. Das Ergebnis sollte einen neuen Standard im Motorsport setzen.

Erste Schritte: 2002-2003
“Geschwindigkeit. Zeit. Einfach zu verstehen.”
– Darauf, so Red Bull Air Race Pionier Peter Besenyei, lag der Fokus in den ersten zwei Jahren der Forschung und Entwicklung für eine Rennserie, die zugleich der erste große Motorsport in drei Dimensionen werden sollte. Allem voran galt es dabei, auf sichere Weise eine Rennstrecke zu erstellen. Erste Zeichnungen hierzu fertigte Besenyei nach einem Meeting 2002 an. Die erste Generation von Pylonen durchlief anschließend mehr als 70 Tests, darunter auch ein Zusammenprall mit einem Auto, an dem ein Flügel montiert wurde, und letztendlich ein Treffer von Besenyei mit einem Flugzeug. Im Sommer 2003 war es dann an der Zeit für das erste Rennen.

Die ersten Rennen: 2003-2004
Das Red Bull Air Race erlebte seine Auftaktsaison 2003 mit Stopps in Österreich und Ungarn und weckte dabei das Interesse von Fans und Piloten gleichermaßen. Obwohl die ersten Regeln spontan erfunden wurden und die Beurteilung nur durch Zusehen erfolgte, erforderten die hohe Geschwindigkeit, die geringe Flughöhe sowie die extreme Manövrierfähigkeit des Sports von Beginn an eine gute Fitness und außergewöhnliche Fähigkeiten von den Piloten. Die geladenen Elite-Piloten reisten zunächst mit dem Flugzeug zu den Rennen, das sie gerade im Hangar hatten, und ein Techniker war ihr einziger Teamkollege. Sieben Piloten hoben ab, und Peter Besenyei aus Ungarn kürte sich zum ersten Sieger. Mit ihm auf dem Podium standen Klaus Schrodt (GER, Zweiter) und Kirby Chambliss (USA, Dritter).

2004 wurde die Serie global und machte sich einen Ruf für spektakuläre Rennplätze. In einer Saison mit drei Rennen in Großbritannien, Ungarn und den USA sicherte sich Chambliss 2004 die Krone, gefolgt von Besenyei auf dem zweiten Platz sowie Steve Jones aus Großbritannien und Schrodt aus Deutschland auf dem dritten Platz.

Amerikaner im Aufwind: 2005-2007
2005 erhielt das Red Bull Air Race den Status einer Weltmeisterschaft. Der US-Amerikaner Mike Mangold war nicht zu stoppen, gewann fünf von sieben Rennen und damit auch die begehrte Trophäe am Ende der Saison. Rang zwei ging an Besenyei vor Mangolds Landsmann Chambliss.

2006 dreht Chambliss den Spieß um und flog in einer Klasse für sich, während sich Mangold mit Platz drei zufriedengeben musste. Mangold schlug 2007 zurück – in einer Saison, die den ersten Stopp der Serie überhaupt in Südamerika (Rio de Janeiro, Brasilien) sah. Insgesamt kämpften 13 Piloten um die Krone, darunter auch die Neulinge Hannes Arch aus Österreich und Sergey Rakhmanin aus Russland. Aber den Titelkampf machten Mangold und der Brite Paul Bonhomme unter sich aus. Am Ende der Saison hatten beide Piloten 47 Punkte auf ihrem Konto, ein Tie-Break entschied über die Titelvergabe, und so wurde Mangold der erste Pilot, der mit zwei WM-Titeln ausgezeichnet wurde. Besenyei wurde Dritter und stand damit zum fünften Mal in Folge auf dem Gesamtpodium.

Österreichische Kühnheit gegen das Beste aus Großbritannien: 2008-2010
Zwei Namen prägten den Sport zwischen 2008 und 2010: der Österreicher Hannes Arch und der Brite Paul Bonhomme. In seiner erst zweiten Saison sorgte Arch 2008 mit seinen aggressiven Linien und zukunftsweisenden Technologien nicht nur für Aufruhr in den Hangars, er krönte sich auch zum ersten Weltmeister aus Europa. Der Österreicher stand bei sieben von acht Stopps auf dem Podium und verwies mit 61 Punkten Paul Bonhomme auf den zweiten Platz. Für den Briten war es die zweite Vize-Weltmeisterschaft in Folge, Dritter wurde Chambliss.

Mit der „Class of 2009“, die in der drauffolgenden Saison zum Red Bull Air Race stieß, wuchs das Starterfeld erstmals auch um Piloten aus Asien, Kanada und Australien an: Yoshihide Muroya, Pete McLeod und Matt Hall. Sein Debüt feierte in diesem Jahr auch Matthias Dolderer aus Deutschland. Alle vier erklommen später auch das WM-Podest. Den Anfang machte Hall, der gleich in seiner ersten Saison Platz drei im WM-Gesamtklassement belegte. Arch übernahm früh die Führung im Ranking, aber Bonhommes unglaublich sauberes und präzises Fliegen sicherte ihm drei Rennsiege und damit auch seinen ersten Titel. Acht der insgesamt 15 Piloten standen 2009 mindestens einmal auf dem Podium, elf erreichten mindestens ein Top-Fünf-Ergebnis.

2010 wurde Bonhomme zum ersten Piloten, der zwei WM-Titel in Folge gewinnen konnte. Arch wurde knapp hinter dem Briten Zweiter, mit Nigel Lamb stand auf Platz drei ein weiterer britischer Pilot auf dem Podium. 2010 war auch das Jahr, in dem Martin Šonka aus der Tschechischen Republik sein Air Racing-Debüt feierte – ein Name, der in den kommenden Saisons noch eine große Rolle spielen sollte.

Hiatus: 2011-2013
Das Red Bull Air Race machte eine dreijährige Pause, hinter den Kulissen wurde aber fleißig weitergearbeitet. So arbeiteten Rennveranstalter daran, den Sport neu zu gestalten. Piloten, Rennteams und andere Experten gaben wichtige Inputs, Regeln und Bestimmungen wurden verfeinert und standardisierte Motoren und Propeller eingeführt, um den Wettbewerb noch fairer zu gestalten und den Schwerpunkt noch stärker auf die Fähigkeiten der einzelnen Piloten zu legen. Als die Weltmeisterschaft 2014 zurückkehrte war sie wettbewerbsfähiger, überzeugender und vor allem sicherer als je zuvor. Und es gab eine neue Nachwuchsklasse.

Die Rückkehr: 2014
Die Rückkehr 2014 läutete eine neue Ära für das Red Bull Air Race ein. Mit neuen Regeln und Standardisierungen war die Teamdynamik wichtiger denn je und Taktiker wurden in den Hangars eine vertraute Präsenz. Zu Beginn der Saison waren Bonhomme und Arch die Favoriten. Beim dritten Rennen, dem Debüt in Putrajaya in Malaysia, machte der Brite Nigel Lamb seinen ersten Rennsieg perfekt und wurde bei jedem weiteren Stopp Zweiter. Der Saisonhöhepunkt folgte im österreichischen Spielberg mit dem Kampf des Trios um den Titel. Den schnappte sich Lamb, der damit das britische Erbe fortführte und geleichzeitig mit seinen Winglets für einen brandneuen Modifikationstrend sorgte. Ebenfalls bemerkenswert: Pete McLeod, Yoshihide Muroya und Martin Šonka erreichten ihre ersten Podiumsplätze beim Red Bull Air Race.

Ein weiteres Highlight 2014 war die Einführung der Nachwuchsklasse des Sports, der Challenger Class. Sie sollte außergewöhnlichen Piloten dabei helfen, ihre Air Racing-Fähigkeiten zu entwickeln, und damit die Basis für den Sprung in die Weltmeisterschaft ermöglichen. Elf Piloten nahmen an der neuen Serie teil, sechs von ihnen sicherten sich einen Platz im Finale. Am Ende krönte sich Petr Kopfstein (CZE) zum ersten Challenger Cup Champion.

Meilensteine und Abschiede: 2015
In der Saison 2015 fand das Red Bull Air Race erstmals in Japan statt. 120.000 Zuschauer jubelten dabei Lokalmatador Yoshihide Muroya zu. Die ehemaligen Challenger Class Piloten François Le Vot (FRA) und Juan Velarde (ESP) starteten erstmals in die Master Class. Der Kampf um die Weltmeisterschaft avancierte zu einem Zweikampf zwischen dem Briten Bonhomme und dem Australier Hall, der im österreichischen Spielberg seinen ersten Rennsieg feierte. Die Saison endete spektakulär in Las Vegas, USA, wo Hall zwar das Rennen gewann, Bonhomme aber genug Punkte holte, um sich seinen dritten WM-Titel zu sichern – ein Rekord. Der Australier wurde Zweiter im Gesamtklassement, der Österreicher Arch Dritter. In der Nachwuchsklasse, der Challenger Class, gewann der französische Pilot Mika Brageot die Gesamtwertung.

Zum Ende der Saison gab Ikone Peter Besenyei seinen Rücktritt bekannt – nach zehn Saisons, acht Rennsiegen und dem ersten Titel in dem Sport überhaupt. Bonhomme trat als erfolgreichster Pilot in der Geschichte des Sports mit 19 Rennsiegen und drei Titeln ebenfalls zurück.

Neue Helden: 2016-2018
Nach den Rücktritten von Bonhomme und Besenyei wurden die Karten neu gemischt und die WM-Krone von Jahr zu Jahr weitergereicht. Matthias Dolderer füllte die Lücke als erster Pilot und dominierte die Saison 2016 fast nach Belieben. Er wurde der erste deutsche Weltmeister und es gelang ihm als erster Pilot überhaupt, den Titel bereits ein Rennen vor Ende der Saison zu holen. Dolderer sicherte sich die Trophäe auf dem legendären Indianapolis Motor Speedway, USA, der erstmals Gastgeber für das Red Bull Air Race war. Hall stand erneut auf dem Gesamtpodest und wurde Zweiter, Arch belegte Platz drei. Zu Beginn der Saison 2016 stießen mit dem tschechischen Piloten Kopfstein und dem Slowenen Peter Podlunšek zwei weitere Absolventen der Challenger Class zur Weltmeisterschaft hinzu. Beim Saisonfinale gab Nigel Lamb nach 64 Rennen seinen Rücktritt bekannt. Florian Bergér holte sich den Challenger Cup und sorgte so für einen deutschen Doppel-Erfolg.

In einer aufregenden Saison 2017 rückten mit Mika Brageot aus Frankreich und dem Chilenen Cristian Bolton zwei weitere ehemalige Challenger Cup Piloten in die Master Class auf. In dieser spitzte sich im Laufe der Saison die Rivalität zwischen Šonka und Muroya zu. Chambliss gewann zwei Rennen, darunter auch das erste Rennen in Russland (Kazan). Das Spitzenquartett komplettierte mit Pete McLeod ein ganz starker Kanadier. Beim Saisonfinale in Indianapolis trafen Šonka und Muroya bereits in der Auftaktrunde aufeinander. Muroya gewann das Duell trotz einer Strafe, aber Šonka avancierte als schnellster Verlierer der Round of 14. Am Ende begegneten sich beide Piloten erneut im Final 4. In der letzten Runde der Saison kam Šonka an den Streckenrekord von Muroya nicht heran – Asien feierte seinen ersten WM-Titel, Šonka wurde Zweiter, McLeod Dritter. In der Challenger Class gelang Florian Bergér als erstem Piloten die erfolgreiche Titelverteidigung.

Die Saison 2018 war eine der spannendsten in der Geschichte der Weltmeisterschaft. Für Furore sorgte unter anderen Ben Murphy (GBR), der als Siebter im Gesamtklassement die beste Platzierung eines Rookies aus der Challenger Class erreichte. Vor dem letzten Rennen trennten das Spitzentrio Michael Goulian (USA), Šonka (CZE) und Hall (AUS) nur sieben Punkte. Damit sollte im zweiten Jahr in Folge das letzte Rennen über die Titelvergabe entscheiden. Dieses Mal holte Šonka den Titel und setzte sich mit der Winzigkeit von 0,304 Sekunden vor Hall durch, Goulian wurde Dritter. Luke Czepiela, der den Challenger Cup gewann, war zugleich der erste polnische Pilot, der einen Red Bull Air Race Titel gewinnen konnte.

Der Höhepunkt: 2019
Die letzte Red Bull Air Race Saison wurde 2019 auf vier Stopps verkürzt. Zum ersten Mal seit 2010 wurden zudem WM-Punkte für das Qualifying vergeben. Der Japaner Muroya legte fulminant los und holte sich beim Saisonauftakt mit dem Sieg im Qualifying und im Rennen die Höchstpunktzahl von 28 Punkten. Titelverteidiger Šonka aus der Tschechischen Republik wurde Zweiter – der Zweikampf ging in die nächste Runde. Hall wurde aufgrund eines Motorproblems „nur“ Fünfter, aber es war klar, dass er zurückkommen würde.

Auch das zweite Rennen in Kasan in Russland gewann Muroya, während Hall Zweiter und Šonka Dritter wurde. Beim dritten Rennen, der Premiere am Plattensee in Ungarn, stoppte Hall die Siegesserie von Muroya, der nur Zwölfter wurde. Šonka belegte Platz vier. Der Balaton war zugleich ein Meilenstein für den Briten Murphy, der mit Platz zwei seinen ersten Podiumsplatz perfekt machte.

Vor dem Saisonfinale in Japan führte Šonka das Ranking mit vier Punkten vor Hall und zehn Punkten vor Muroya an. Šonka baute seinen Vorsprung mit dem Sieg im Qualifying um zwei weitere Punkte aus, hatte jedoch am Renntag eine katastrophale erste Runde mit einer Strafe. Aus dem Drei- war ein Zweikampf geworden: Muroya oder Hall. Hall musste im Final 4 mindestens Platz drei belegen, um sich endlich den WM-Titel zu sichern. Muroya legte eine fantastische Zeit von 58,630 Sekunden vor, aber Hall hatte dank der Vorlage des Kanadiers Pete McLeod, dessen Lauf von Strafen geprägt war, etwas Luft zum Atmen. Der Australier ging auf Nummer sicher, wurde Dritter und sicherte sich damit die Weltmeisterschaft. Muroya indes feierte den dritten Heimsieg in seiner Karriere.

Zwölf Piloten nahmen die überarbeitete Saison in der Challenger Class in Angriff. An zwei Locations wurden gleich zwei Rennen ausgetragen, im Fokus standen die einzelnen Rennsiege, eine Challenger Cup-Trophäe wurde nicht vergeben. Kenny Chiang aus Hongkong, Dario Costa aus Italien und Daniel Ryfa aus Schweden gewannen jeweils ein Rennen, der Deutsche Bergér setzte der Klasse aber mit drei Rennsiegen einmal mehr seinen Stempel auf.
 

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