Die Rivalitäten beim Air Race

Wir blicken zurück auf die packendsten Duelle

In der Geschichte des Red Bull Air Race sicherten sich zehn verschiedene Piloten mindestens einen Titel, 14 Piloten gewannen Rennen und 23 Piloten schafften in 94 Rennen den Sprung auf das Podium.

Hinzu kamen zahlreiche packende Duelle, einige von ihnen zogen sich über mehrere Saisons. Hier kommen einige der Besten...


Paul Bonhomme gegen Hannes Arch 
Zeitraum
: 2008-2015
Hannes Arch stieß 2007 zum Red Bull Air Race und schlug schnell Wellen. In genau dieser Saison verlor Paul Bonhomme die WM erst im letzten Rennen der Saison. Sowohl er als auch Mike Mangold beendeten die Saison mit 47 Punkten, ein Tie-Break entschied über den Titel, den sich letztlich der US-Amerikaner sicherte. Dementsprechend heißt war Bonhomme auf den Titel 2008.

Bonhomme startete mit einem Sieg in Abu Dhabi in die Saison – vor Arch. Es war der Auftakt eines packenden Duells. Archs schlechteste Platzierung in der Saison war Rang vier, und es ging bis zum vorletzten Rennen in Porto eng her. Dort wurde Bonhomme nur Zehnter. Der schlug zwar wieder zurück und gewann das letzte Rennen, aber Arch wurde dort Dritter und sicherte sich den Titel.

Bonhomme, dem Niederlagen immer zu schaffen gemacht haben, kam 2009 noch motivierter zurück, belegte in jedem Rennen entweder Platz eins oder zwei und war einfach nicht zu stoppen. Arch jagte ihn die ganze Saison, beendet die Saison aber fünf Punkte hinter ihm.

2010 verlief die Saison ähnlich und noch enger. Arch gewann vier der sechs Rennen, Bonhomme zwei. Aber Arch belegte beim Saisonauftakt lediglich Rang elf, und das kostete ihm am Ende den Titel.

2015 ging der Kampf der beiden Piloten weiter. Arch gewann zwar zwei Rennen, konnte Bonhomme aber nicht Paroli bieten. Der Brite duellierte sich mit Matt Hall, machte am Ende seinen historischen dritten WM-Erfolg perfekt und gab anschließend seinen Rücktritt bekannt.

“Wenn ich jetzt zurück auf die Rivalitäten blicke, kann ich sie genießen. Das war damals natürlich anders”, erklärt Bonhomme. “Damals habe ich immer nur gedacht ‘Warum sind sie nur so schnell?’ und ‘Warum stehen sie mir im Weg?’, aber für den Sport waren sie gut und vor allem spektakulär. Gegen Hannes und Matt zu fliegen, war interessant, aber auch ein hartes Stück Arbeit”.


Paul Bonhomme gegen Matt Hall
Zeitraum: 2015
Diese Rivalität war vom Saisonstart in Abu Dhabi an intensiv. Sowohl Hall als auch Bonhomme standen im Final 4, in dem Hall in 57,871 Sekunden eine fantastische Zeit vorlegte. Sein erster Rennsieg war in greifbarer Nähe. Bis Bonhomme kam… Der Brite war nochmals 0,084 Sekunden schneller als der Australier und machte seinen ersten Saisonsieg perfekt.

Ähnlich verlief es beim zweiten Rennen in Chiba. Es folgte mit Platz fünf in Rovinj ein Ausrutscher von Bonhomme, während Hall Dritter wurde. Beim Halbzeitrennen in Budapest verpasste Hall das Final 4, während Bonhomme hinter Arch Zweiter wurde.

Beim fünften Rennen in Ascot gewann Bonhomme erneut, Hall folgte ihm auf Platz zwei. In Spielberg folgte dann Halls erster Rennsieg. Dabei verwies er Bonhomme mit nur 0,057 Sekunden Vorsprung auf Platz zwei. Beim vorletzten Rennen drehte Bonhomme den Spieß dann wieder um. Somit musste es der Brite beim letzten Rennen nur ins Final 4 schaffen, um Weltmeister zu werden. Er schaffte es, den Rennsieg aber schnappte sich Hall.

“2015 war für mich die eindrucksvollste Saison, weil ich von Beginn an mit Paul um den Titel gekämpft habe”, so Hall. “Wir standen beide sieben Mal auf dem Podium, jeder konnte den Titel gewinnen. Es war ein großartiger Kampf zwischen den Teams. Ich wusste, dass es Paul nur ins Final 4 schaffen musste, um Weltmeister zu werden, weil er acht Punkte Vorsprung hatte. Aber ich bin da rausgegangen und habe das Rennen gewonnen, obwohl ich wusste, dass ich nicht mehr Weltmeister werden kann.”

Wenn es um seine Taktik ging, war Bonhomme bei seinen Aussagen eher zögerlich. Jetzt verrät er, was er unternommen hat, um seine Gegner in die Schranken zu weisen: “Ich habe mir die Dinge angeschaut, die sie gut gemacht haben. Statt nach ihren Fehlern zu gucken, war es für mich interessanter zu wissen, was sie gut machen. Also habe ich die Dinge, die Hannes und Matt gut gemacht haben, kopiert – das habe ich oft so gemacht.”


Matt Hall gegen Matthias Dolderer
Zeitraum
: 2016
Nach dem er den Titel 2015 nur denkbar knapp verpasst und Bonhomme seine Karriere beendet hatte, war Hall der Favorit auf den Titel 2016. Aber beim Saisonauftakt belegte Hall nur Platz neun. Nicolas Ivanoff schnappte sich den Sieg, Matthias Dolderer wurde Zweiter. Schon seit Jahren wurde Dolderer von Experten als möglicher Titelkandidat gehandelt – wenn er endlich einmal konstante Leistungen abliefert.

Beim zweiten Rennen der Saison stand Dolderer erstmals in seiner Karriere ganz oben auf dem Podium. Hall indes blieb erneut hinter seinen Erwartungen zurück, wurde Fünfter. Beim dritten Saisonrennen musste Dolderer seinen einzigen Ausrutscher hinnehmen und wurde nur Achter. Hall konnte davon aber nicht probieren, kam selbst nicht über Platz sieben hinaus. Hall hatte sich gerade von einer Rücken- und Nackenverletzung erholt, die ihn daran hinderte, das maximale G-Limit zu drücken.

In Budapest war Hall zurück in alter Form und schaffte als Dritter direkt wieder den Sprung auf das Podium. Dolderer gewann, aber das Duell lebte wieder auf. Hall gewann die folgenden beiden Rennen, aber Dolderer flog konstant gut und machte den WM-Titel bereits ein Rennen vor Ende der Saison perfekt.

“Es war eine ganz besondere Rivalität 2016”, erklärt Dolderer. “Wir haben zusammen trainiert, um es zum Red Bull Air Race zu schaffen, wir sind Meisterschaften zusammen geflogen, ehe wir zum Air Race kamen. Wir haben ähnliche Interessen und Namen! Und wir sind gute Freunde – es war fantastisch, sich mit ihm zu messen. Matt war die erste Person, die mir gratuliert hat. Das war etwas ganz Besonderes.”


Yoshihide Muroya gegen Martin Sonka
Zeitraum
: 2017-2019
2017 startete eine neue Rivalität. Im Verlauf der acht Stationen umfassenden Saison wechselte die Spitzenposition insgesamt sechs Mal, zumeist zwischen dem Tschechen Martin Sonka und dem Japaner Yoshihide Muroya.

Beim Saisonauftakt machte Sonka seinen ersten Sieg in seiner Karriere perfekt. Aber der Japaner drehte beim zweiten Rennen den Spieß um, bezwang Sonka in der Round of 8 und gewann anschließend auch das Rennen. Bei den folgenden Rennen trafen beide Piloten noch einmal im direkten Duell aufeinander – diesmal gewann Sonka das Duell und später das Rennen.

Das vorletzte Rennen der Saison entschied Muroya für sich, aber Sonka wurde Dritter und verteidigte damit seine Spitzenposition. Es folgte der Showdown in Indianapolis, bei dem Sonka und Muroya bereits in der Round of 14 aufeinandertrafen. Muroya kassierte zwei Strafsekunden, aber der Tscheche traf anschließend ein Pylon, kassierte drei Strafsekunden und verlor das Duell. Der Japaner zog als Sieger in Round of 8 ein, Sonka hatte Glück und folgte als Fastest Loser. Im Final 4 standen sie sich dann erneut gegenüber. Muroya legte dort mit einem neuen Streckenrekord vor, den Sonka nicht unterbieten konnte. Asiens erster Red Bull Air Race WM-Titel war damit perfekt!

“Es hat mich gepusht”, so Muroya. “Wir haben seine Flüge unter die Lupe genommen und er meine. Das hat uns beide noch stärker gemacht – und genau das macht den Wettkampf aus. Ohne Martin wäre es langweiliger gewesen.”

2018 war Sonka an der Reihe. Muroya forderte ihn das ein oder andere Mal, aber es waren Matt Hall und Michael Goulian, die Sonka ans Limit gebracht haben. Vor dem letzten Rennen führte Goulian das Ranking an, aber diesmal – ganz im Gegensatz zu 2017 – bewahrte Sonka einen kühlen Kopf und brachte den Titel unter Dach und Fach.

2019 lagen Sonka und Muroya von Saisonbeginn an gleichauf. Der Japaner gewann die ersten beiden Rennen, Sonka stand jeweils auf dem Podium und hielt damit den Abstand in Grenzen. Beim dritten Rennen kam Muroya dann aber nicht über Platz zwölf hinaus, Sonka profitierte davon und kletterte an die Spitze des Rankings. Und obwohl sich beide Piloten auch im letzten Rennen, das Muroya gewann, einen packenden Zweikampf lieferten, war es Hall, der sich den WM-Titel schnappte.

“Es war unglaublich. Nicht nur das Duell mit Yoshi, auch das letzte Jahr mit Mikey und Matt war beeindruckend. Rivalitäten gehören zu unserem Sport, es ist quasi die extra Portion Treibstoff. Es pusht uns alle”, so Sonka abschließend.
 

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