Die Schwierigkeit, einen Titel zu verteidigen

Bisher gelang es lediglich einem Piloten den WM-Titel zu verteidigen. Wird Sonka Nummer zwei?

Nur ein Pilot hat jemals erfolgreich den Red Bull Air Race WM-Titel verteidigt, aber der tschechische Star Martin Sonka könnte nun der zweite werden. Aber dazu muss er Nervenstärke beweisen und zwei seiner Spitzenrivalen in Schach halten.

Sonka holte beim Saisonfinale 2018 seinen ersten WM-Titel und den ersten für sein Heimatland Tschechische Republik – und das lediglich mit 0,304 Sekunden Vorsprung. Vor dem letzten Rennen der Saison liegt er mit vier Punkten Vorsprung an der Spitze des Gesamtrankings. Er hält sich jedoch bedeckt, wenn es um die Titelverteidigung geht und erklärt bescheiden: „Es wäre toll, aber ich will nicht darüber sprechen, Doppel-Weltmeister zu werden...“

Und Sonkas Zurückhaltung ist nachvollziehbar. Seit Beginn des Red Bull Air Race im Jahr 2003 hat es nur ein Pilot –Paul Bonhomme – geschafft, den Titel in Folge zu gewinnen. Während andere es immer wieder versucht haben und auch knapp davor waren, scheint am Ende der Druck dann doch zu groß gewesen zu sein.

Die Air Race-Legende Peter Besenyei gewann den Titel in der ersten Saison 2003 und wurde 2004, 2005 und 2006 jeweils Zweiter – er schaffte es also nie wieder ganz oben auf das Podium. Auch Kirby Chambliss aus den USA war nah dran. Er holte 2004 den Titel, rutschte 2005 jedoch auf den dritten Platz ab. 2006 kämpfte er sich zurück, holte erneut Weltmeisterschaft, wurde aber im Folgejahr 2007 nur Vierter. Chambliss ist der Meinung, dass man einen Lauf haben muss, was jedoch dem Team viel abverlangt. „Ich würde sagen, es ist gut, das Momentum eines Titelgewinns zu haben, aber ich denke, es ist auch wirklich wichtig, den richtigen Ton für die neue Saison anzuschlagen, wenn man wieder zurückkommt. Du musst dieses Wissen verinnerlicht haben, damit es funktioniert“, sagt er.

Sein amerikanischer Kollege Mike Mangold hatte eine ähnliche Erfahrung: Er gewann den Titel sowohl 2005 als auch 2007, wurde aber 2006 nur Dritter und 2008 Vierter – in diesem Jahr wurde der Österreicher Hannes Arch Weltmeister. Arch behauptete sich für den Rest seiner Karriere mit drei zweiten und zwei dritten Plätze auf dem Podium.

Und dann ist da noch Bonhomme. Verpasste er 2007 und 2008 als Zweiter jeweils knapp den WM-Titel, schlug er 2009 dann aber endgültig zu und wurde Weltmeister. Dem Triumph folgte in der Folgesaison der historische zweite Titel, der dem britischen Ass seinen legendären Status verleiht, als einziger Pilot in der Geschichte des Red Bull Air Race zwei Jahre in Folge zum Weltmeister gekürt worden zu sein. Bonhomme kommentiert dieses Kunststück wie folgt: "Ich habe die Trophäe am 1. Januar 2010 sauber gewischt und in diesem Moment haben wir alles vergessen und hinter und gelassen, was 2009 geschehen ist und wieder von vorne angefangen."

Nach der dreijährigen Pause wurde Nigel Lamb 2014 Weltmeister. Aber die Saison 2015 gehörte wieder einmal Bonhomme, und nachdem er die Trophäe zum dritten Mal gewonnen hatte, zog er sich aus dem aktiven Sport zurück.

2016 war Matthias Dolderer an der Reihe. Er stürmte durch die Saison und holte den Titel ein Rennen vor Saisonende, aber wie Lamb hatte er in der kommenden Saison zu kämpfen und wurde lediglich Siebter. „Sicherlich ist der Druck, der auf dir lastet, größer –  von dir selbst, von deinem Team, von deinen Partnern, von den Medien, von deinen Freunden, von den Fans, von allen“, so Dolderer. „Wenn du nicht bei den ersten Rennen vorne mit dabei bist, sagen alle: ‚Hey, du verlierst‘. Sie sagen nicht: ‚Gut gemacht für ein Final 4 oder den zweiten oder dritten Platz. Die Erwartungen sind viel höher.“ Der Deutsche fährt fort: „Außerdem ist es eine Sache, wie man sich neu konzentriert. Du musst alles komplett zurücksetzen, da eine neue Saison beginnt und die Karten neu gemischt werden. Nichts ist garantiert und jeder wird immer besser und besser. Die Zeiten liegen sehr eng beieinander.”

Während Dolderer 2017 mit diesen Problemen konfrontiert war, hatte Yoshihide Muroya einen Höhenflug und holte sich den Titel, nachdem er vier der acht Rennen gewonnen hatte. Aber im folgenden Jahr holte Muroya ‚nur‘ zwei zweite Plätze und lag am Saisonende hinter dem neuen Weltmeister Sonka auf Platz fünf. Jetzt, 2019, scheint der japanische Pilot seinen Siegeshunger jedoch wiedergefunden zu haben.

Kein Wunder also, dass Sonka trotz seiner Vier-Punkte-Führung zurückhalten ist, wenn es um die Titelverteidigung geht. Schließlich ging der tschechische Pilot 2017 mit einem Vorsprung von vier Punkten vor Muroya ins Saisonfinale und am Ende gewann Muroya das Rennen und den Titel. Der Australier Matt Hall, der in diesem Jahr vier Punkte hinter Sonka auf dem zweiten Gesamtrang liegt, ist ebenfalls siegeshungrig, nachdem er bereits dreimal Vizeweltmeister geworden war. Muroya liegt zwar zehn Punkte hinter der Spitze, ist aber immer noch mittendrin im Titelkampf. Alle drei Rivalen sind sich zudem bewusst, dass es aufgrund einer neuen Regel in diesem Jahr auch WM-Punkte für die ersten drei im Qualifying gibt, so dass der Abstand noch vor dem Start des Race Days vergrößert oder verkleinert werden kann.

Obwohl er immer beeindruckend abliefert, konnte Sonka in dieser Saison noch kein Rennen gewinnen, und bei der letzten Station, dem Showdown im Juli am Balaton, musste er am Renntag einen sehr ungewöhnlichen Pylontreffer hinnehmen – sein erster seit dem Finale 2017. Ist der Druck, der auf dem amtierenden Champion lastet, vielleicht dich zu hoch?

„In Führung zu liegen ist großartig, aber es sind nur vier Punkte und es liegen 28 Punkte auf dem Tisch, also müssen wir uns auf das nächste Rennen konzentrieren“, sagt Sonka pragmatisch. Er gibt jedoch auch zu, dass es fantastisch wäre, seine Krone erfolgreich zu verteidigen und dem Elite-Club von Bonhomme beizutreten. „Es wäre großartig und schön, aber es spielt nur irgendwo im Hintergrund eine Rolle. Ich konzentriere mich nur auf das Fliegen.“

Für das Saisonfinale in Chiba am 7./8. September sind noch Tickets erhältlich. Hol sie dir HIER um zu sehen, ob Sonka die Titelverteidigung gelingt!

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