Maßgeschneidert für eine Meisterschaft

Wie die Rennflugzeuge für das Air Race angepasst werden

Wie das hochmoderne Equipment im jedem Top-Motorsport sind auch die Rennflugzeuge beim Red Bull Air Race Innovationswunder – wobei keines dem anderen gleicht. Es geht allein um die Performance, wenn eine Tausendstelsekunde über Sieg und Niederlage entscheidet.

Da die Rennflugzeuge der Weltmeisterschaft über standardisierte Triebwerke (Motor, Propeller und Auspuff) verfügen, suchen die Teams immer nach anderen Möglichkeiten, um die Aerodynamik, Steuerung, Motorkühlung und Leistung zu verbessern – und das bei möglichst geringem Gewicht und unter Einhaltung der Sicherheitsvorschriften. Was macht ein Rennflugzeug also aus?

Rennflugzeuge haben spezielle Kraftstoff- und Ölsysteme (Abbildung 1 in der Grafik, siehe unten), die sowohl für Flüge auf dem Kopf als auch für hohe G-Kräfte geeignet sind.

Das Cockpit (2) ist sehr individuell. Denk darüber nach, wie großartig es ist, den Sitz deines Autos so einzustellen, damit es für dich am besten passt. Dieses Gefühl multipliziert mit unendlich und du kannst verstehen, wie wichtig die Sitzposition, die Reaktion des Steuerknüppels und die Sicht (manchmal mit einem Fenster im Boden) für einen Piloten beim Red Bull Air Race ist. Außerdem liefern modernste Instrumente den Piloten auf einem Bildschirm alle notwendigen Informationen und übermitteln gleichzeitig Daten für den Taktiker des jeweiligen Teams.

Hinzu kommt das Kabinendach (3), das hinsichtlich der Aerodynamik eine ganz wichtige Rolle spielt und auf einem sehr hohen Niveau ist. Einige Piloten optimieren sogar – immer unter Einhaltung der Sicherheitsvorschriften – ihren Helm, damit sie ihr Kabinendach noch flacher machen können.

Winglets (4) sind Erweiterungen an den Enden der Flügel, dessen Form nach oben oder unten gerichtet ist. Wingtips indes weisen lediglich eine leichte Biegung auf oder sind flach. Beide Modifikationen können den Luftwiderstand reduzieren und die Rollrate erhöhen, um eine bessere Manövrierfähigkeit zu erreichen. Dabei arbeiten die Teams mit weltweit führenden Ingenieuren zusammen, um die neuesten und hoffentlich besten Varianten zu entwickeln.

Querruder- (5) Zäune, Vortex Generatoren und eine synthetische Haifischhaut verbessern ebenfalls den Luftstrom über dem Flügel. Der Effekt dieser Modifikationen ist schwer zu messen, aber wie der australische Pilot Matt Hall einmal sagte, als er gefragt wurde, ob sein Shark Skin eine Verbesserung bringen würde: "Es ist besser, es zu haben, als um 0,010 Sekunden zu verlieren und zu denken, dass es daran liegt, dass man die Modifikation nicht verwendet hat."

Eine gut durchdachte Motorhaube (6) ermöglicht es, dass viel kühlende Luft bei möglichst geringem Luftwiderstand hineinströmt. Die Lufteinlässe werden modifiziert, um den Ladedruck und die Motorleistung zu erhöhen. Da die Räder des Rennflugzeugs nicht einfahren, bedecken die Teams diese mit einer eleganten Radabdeckung (7) – ebenfalls, um den Luftwiderstand zu reduzieren. „Wenn du die Radabdeckung wechselst, veränderst du auch den Luftstrom. Dadurch gewinnst du vielleicht circa einen Knoten an Geschwindigkeit", erklärt Cristian Bolton. „Man könnte sagen: ‚Ein Knoten? Das ist nichts‘. Aber ein Knoten sind zwei Hundertstelsekunden, was mittlerweile viel Zeit im Rennen ausmacht."

Einige Modifikationen können in den Hangars bei jeder Station angebracht (oder rückgängig gemacht) werden – immer unter Durchführung einer Sicherheitsinspektion der technischen Experten vom Red Bull Air Race. Die Teams ziehen es aber meistens vor, sich in der Nebensaison Zeit zu nehmen, um Modifikationen fernab von den Augen ihrer Gegner zu testen. Wenn aufeinanderfolgende Rennen in der gleichen Region stattfinden, können sich die Teams an einen ruhigeren Ort zurückziehen, um eine schnelle Überarbeitung während der Saison durchzuführen.

Aber nicht alle Anpassungen sind sichtbar. Eine wichtige Aufgabe ist es, die optimalen Motor-(8)-Einstellungen zu bestimmen, damit das Rennflugzeug Spitzenleistung erreicht. Den idealen Schwerpunkt zu finden, ist ein weiterer Faktor. Teams verlagern das Gewicht im Flugzeug, um einen "CG-Punkt" zu finden, der minimalen Luftwiderstand erzeugt und gleichzeitig ein gutes Handling für den Piloten bietet. Die neueste Modifikation ist ein Wasserkühlungssystem, um die Motortemperaturen noch  besser zu kontrollieren.
„Man muss versuchen, der Erste zu sein, der eine Modifikation umsetzt. Danach lass dich von ihnen kopieren”, erklärt der spanische Pilot Juan Velarde.

Doch funktionieren auch wirklich alle Modifikationen, die an den Rennflugzeugen vorgenommen werden? Viele führen zu einer deutlichen Verbesserung, aber es ist nicht ungewöhnlich, dass Modifikationen getestet und für nicht gut befunden werden, weil sie nicht die gewünschte Wirkung erzielen. Manchmal ist das Ergebnis auch nicht messbar, doch der Pilot spürt einen Nutzen – oder will die Konkurrenz einfach auf Trab halten. „In diesem Spiel muss man sich immer wieder anpassen", so Pilot Ben Murphy aus Großbritannien. "Wenn du stillstehst, hast du verloren."

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