Matt Hall Racing: “Nicht nur die Summe von vier Leuten”

Der zweite Platz von Matt Hall in der Red Bull Air Race Weltmeisterschaft 2018 war bereits der vierte Podiumsplatz in der Gesamtwertung in der Karriere des Australiers. Es war zudem das beeindruckende Comeback von Matt Hall Racing nach einem harten Jahr 2017 mit Problemen am Flugzeug und einem Wechsel in eine komplett neue Maschine, die Edge 540 V3. Teamwork ist das A und O im Motorsport. Hier gibt uns der Australier einen kleinen Einblick hinter die Kulissen seines Red Bull Air Race Teams.

"Wir hatten in den letzten beiden Jahren viele Wechsel im Team. Es war wirklich eine Menge. Einige Wechsel beruhten auf meiner Entscheidung, andere lagen nicht in meiner Hand", erklärt Hall. "Ohne ein gutes Team kann man in einer Weltmeisterschaft nicht ganz vorne mitmischen. Davon bin ich überzeugt."

Das neueste Teammitglied von Matt Hall Racing, Techniker David Finch, brachte mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Luftfahrt zu seinem ersten Rennen mit, dem Saisonauftakt im Februar 2018. Hall und Finch arbeiteten zuvor bereits in der Heimat zusammen. Als der ehemalige Techniker Ron Simard plötzlich verstarb, fragte der Pilot "Finchy", ob er sich vorstellen könnte, Teil des Teams beim Red Bull Air Race zu werden. Nur zwei Wochen später war der Techniker auf dem Weg nach Abu Dhabi...

"Es war das erste Mal überhaupt, dass ich das Flugzeug gesehen habe", erinnert sich Finch. "Am Anfang ging es nur darum, mich mit der Technik des Flugzeugs vertraut zu machen. Es hat ein sehr kompliziertes elektrisches System und viele Datenpunkte. Danach habe ich mich der sehr guten Modifikationen angenommen, die Ron in die Wege geleitet hatte und denen ich nur noch den letzten Schliff gegeben habe."

Es dauerte auch nicht lange, bis der Techniker mit seiner ganzen Familie, inklusive sechs Kinder, zum Lake Macquarie zog, dort, wo Hall beheimatet ist.

"Es ging Schlag auf Schlag", gibt Finch zu. "Wir haben zuletzt nach Wegen gesucht, um das Flugzeug noch aerodynamischer und noch ein bisschen schneller zu machen."

Als Team-Koordinator Andrew Musgrove ein Jahr zuvor an Bord gekommen war, ging es ebenfalls heiß her, weil es das Jahr war, in dem das Team seine neue Edge vorstellte.

"Wir sind beim ersten Stopp 2017 mit einem geliehenen Flugzeug geflogen, beim dritten Rennen habe ich einen neuen Techniker vorgestellt, beim sechsten haben wir es dann wieder zusammen mit Ron gemacht. Dann ist Ron verstorben – so hatten wir dann Finchy von Beginn dieses Jahres an. Es waren sehr viele schnelle Wechsel. Es war ein bisschen wie 'friss oder stirb' für mich", blickt Musgrove, der selbst einmal Athlet war und viel Erfahrung im Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation aufweist, zurück. "Aber es war gut, ich habe den Prozess innerhalb weniger Rennen gelernt."

"Es ist großartig, für Matt zu arbeiten. Er sorgt dafür, dass wir unsere Rollen und Verantwortlichkeiten im Team kennen. Vielleicht liegt das noch ein wenig an seinem militärischen Einfluss. Wir haben anscheinend ein gutes Gleichgewicht gefunden, es ist ein bisschen wie ein Uhrwerk. Egal, ob Dinge gut oder schlecht laufen, wir wollen immer herausfinden, woran es lag. Und wir sind sehr gut darin, herauszufinden, warum etwas gut oder schlecht gelaufen ist. Dadurch entwickeln wir uns weiter und stellen Egos beiseite.."

Matt Hall Racing (v.l.n.r.) Andrew Musgrove; Matt Hall; David Finch; Peter Wezenbeek ©Predrag Vuckovic/RBAR 

Das Teammitglied, das bis dato am längsten an der Seite von Hall ist, ist Taktiker Peter Wezenbeek, ein Technik-Fachmann und Experte für Datenerfassung und -management, der an zwei Weltmeisterschaften von Fernando Alonso mit dem Formel 1 Team von Renault beteiligt war. "Meine Erfahrungen mit Rennfahrern haben gezeigt, dass es [unter ihnen] große Unterschiede gibt, was das technische Wissen angeht. Diejenigen, die sich gut damit auskennen, reagieren immer gut auf technische Verbesserungen. Matt ist einer von ihnen", so Wezenbeek. "Fernando Alonso hatte auch ein solches Verständnis. Er war sehr clever, das mag ich."

Wezenbeek entwickelte in enger Zusammenarbeit mit dem Piloten die Datenanalysesysteme und den Simulator von Matt Hall Racing. "Für mich ist es wichtig, dass wir genau das tun, was er sehen will, und das sind nicht nur technische Dinge", betont der Taktiker. "Ich denke, das Wichtigste ist das Team. Der Aufbau eines funktionierenden Teams war für uns die größte Reise. Dieses Team ist definitiv mehr als die Summe von vier Leuten."

Dem kann Hall nur zustimmen. "Ich bestreite jetzt seit zehn Jahren Rennen, und dies ist die beste Harmonie, die wir jemals im Team hatten. Ich bin zu einhundert Prozent davon überzeugt, dass nichts ausgelassen oder vergessen wird. Ich gehe abends entspannt ins Bett, schlafe gut, stehe morgens wieder auf und kann es kaum erwarten, mein Flugzeug zu fliegen. Es ist eine großartige Situation, in der ich mich gerade befinde."

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