Momente, an die wir uns alle erinnern werden

Die Champions, die der Serie ihre Stempel aufgesetzt haben

In den zurückliegenden sechs Saisons krönten sich sechs verschiedene Piloten zum Weltmeister und machten die Serie damit zu einer der aufregendsten im Sport überhaupt. Hier blicken wir zurück auf einige adrenalin-geladene WM-Momente...

Lamb untermauert, das Konstanz der Schlüssel zum Erfolg ist
Nigel Lamb stieß mitten in der Saison 2005 zur Red Bull Air Race Weltmeisterschaft. Er stand 2007, ’08 und ’09 nur einmal auf dem Podium, ehe er 2010 Gesamtdritter wurde. Gerade als die Serie Ende 2010 eine Pause einlegte war er auf dem aufsteigenden Ast. Als die Weltmeisterschaft 2014 zurückkehrte, war Lamb bereit für den großen Coup. Beim Saisonauftakt wurde er Fünfter im Super 8, schaffte es nicht in die finale Runde. Und auch beim zweiten Rennen in Rovinj wurde er nur Achter – nicht gerade der beste Start in die Saison.

Es folgte der Stopp in Putrajaya in Malaysia, und bei harten und feuchten Bedingungen gelang Lamb der Sprung ins Final 4 und dann sogar der erste Sieg in seiner Karriere, der ihm einen Schub für die weitere Saison gab. Nach seinem Sieg gewannen fünf verschiedene Piloten die weiteren Rennen, Lamb wurde jeweils Zweiter. Dadurch sammelte er kontinuierlich Punkte, Hannes Arch und Paul Bonhomme kamen an diese nicht heran.

Bonhomme verabschiedet sich an der Spitze
Nach Platz zwei 2014 wollte sich Paul Bonhomme den Titel wieder zurückholen – und gab 2015 alles. Seine Bilanz: eindrucksvoll. Er wurde in den ersten sieben Rennen entweder Erster oder Zweiter, gewann vier Rennen. Aber Matt Hall wich die ganze Saison nicht von seiner Seite, setzte ihn stetig unter Druck. Das einzige Rennen, das Bonhomme nicht auf dem Podium beendete war das in Rovinj. Er wurde Achter, traf in der Round of 8 auf Hall, überschritt – eher ungewöhnlich für den Briten – das G-Limit und erhielt ein DNF.

Es war ein langer und harter Kampf mit Hall, beim Saisonfinale in Las Vegas schnappte sich Bonhomme dann aber den Titel. Er lag acht Punkte vor Hall vor dem letzten Rennen. Als er Hannes Arch aus dem Wettbewerb geschmissen und seinen Platz im Final 4 gebucht hatte, stand fest: Bonhomme war Weltmeister.

Mit seinem dritten WM-Titel gab der Brite auch seinen Rücktritt bekannt. Bonhomme ist mit drei WM-Titeln, 19 Rennsiegen und 46 Podiumsplatzierungen der erfolgreichste Pilot in der Geschichte des Sports.

Dolderer dominiert und gewinnt bereits ein Rennen vor Ende der Saison
Matthias Dolderer wurde schon immer als möglicher Weltmeister gehandelt. Er hatte die Geschwindigkeit, das Flugzeug und das Team. Was fehlte, war Konstanz. Aber in der Winterpause verbrachte er viel Zeit mit Paul Bonhomme und holte sich damit die alles entscheidende Kopffreiheit für die anstehende Saison 2016.

Er startete mit einem zweiten Platz in die Saison 2016 und sicherte sich im Anschluss in Spielberg seinen ersten Sieg überhaupt. Nach Platz acht in Chiba gab es kein Halten mehr für den deutschen Piloten. Er beendete vier Rennen auf dem ersten Platz und ließ zweite Plätze in Ascot und auf dem Lausitzring folgen.

Vor dem vorletzten Rennen führte Dolderer das Ranking mit 16,5 Punkten Vorsprung vor Matt Hall an. Er wusste, dass er das Rennen nur vor dem Australier beenden musste, um Weltmeister zu werden. In Indianapolis musste Dolderer im Final 4 auf die Flüge der anderen Piloten warten, aber er war im Track so elektrisiert, dass ihm der Sieg nicht zu nehmen war. Damit ist der Deutsche auch der erste und einzige Pilot, der den WM-Titel bereits ein Rennen vor Ende der Saison perfekt machen konnte.

Muroya holt Vier-Punkte-Rückstand auf
Die Saison 2017 war ein Duell zwischen Yoshihide Muroya und Martin Sonka. Gleich sechs Mal wechselte der Spitzenreiter, zumeist zwischen Muroya und Sonka.

Vor dem letzten Rennen führte Sonka das Ranking mit 63 Punkten vor Muroya (59) an. Am Renntag standen sich beide Piloten dann in der Round der 14 direkt gegenüber. Es sah alles danach aus, als würde die Weltmeisterschaft bereits früh am Renntag entschieden werden. Bei stürmischen Bedingungen kassierte Muroya zwei Strafsekunden für ein Incorrect Level. Die Zeichen standen gut für Sonka, er flog schnell, traf dann aber ein Pylon an Gate 16 und kassierte drei Strafsekunden.

Nun hatte Muroya wieder die besseren Karten, aber das Wetter machte auch den anderen Piloten zu schaffen, die allesamt nicht in der Lage waren, Sonkas Zeit zu unterbieten. Der tschechische Pilot blieb verschont vom frühen Aus und zog als Fastest Loser in die nächste Runde ein.

Beiden Piloten schafften es dann auch ins Final 4, in dem Muroya als Erster in den Track musste, Sonka als Letzter. Muroya beendete seinen Lauf nach 1:03,026 Minuten. Es folgten Matthias Dolderer und Juan Velarde, aber keiner von ihnen konnte Muroya von der Spitzenposition verdrängen. Das bedeutete, dass Sonka Platz eins oder zwei belegen musste, um Weltmeister zu werden. Ein zweiter Platz hinter Muroya hätte gereicht, um den Titel mit einem Punkt Vorsprung zu gewinnen. Er musste also nur Dolderers Zeit von 1:05,546 Minuten unterbieten, die mehr als zweieinhalb Sekunden langsamer war als die von Muroya. Sonka lag bei der ersten Zwischenzeit vor Dolderer, aber hinter Muroya, Das hätte gereicht. Aber dann verlor er an Energie, rutschte im Ranking ab und beendete das Final 4 lediglich auf dem vierten Platz. Der Titel war weg, der Tscheche musste sich mit Platz zwei im Gesamtranking zufrieden geben.

Ein Dreikampf bis zum Ende
Schon als die Saison begann stand fest, dass die Piloten noch näher zusammengerückt waren. Eine packende Saison war demnach vorprogrammiert. Schon früh kristallisierte sich ein Dreikampf heraus, der sich bis zum Ende durchzog. Bei einem explosiven Saisonauftakt sicherte sich Michael Goulian seinen ersten Sieg seit neun Jahren, Muroya wurde Zweiter und Kirby Chambliss Dritter. Martin Sonka, der das Rennen hätte gewinnen können, kassierte wegen eines technischen Verstoßes ein DQ und wurde auf Platz vier zurückgesetzt.

Hall schnappte sich den Sieg im zweiten Rennen, Goulian wurde Zweiter und Sonka musste erneut ein DQ für einen weiteren technischen Verstoß hinnehmen. Nach zwei Rennen lag Sonka nur auf Platz fünf, die Saison schien für ihn gelaufen. Hall gewann auch das dritte Rennen in Chiba, Goulian wurde erneut Zweiter und Sonka diesmal Dritter – von diesem Moment an lieferten sich die drei Piloten einen packenden Fight um die Spitzenposition. Das Podium gab Sonka einen Schub, er gewann die nächsten drei Rennen in Budapest, Kazan und Wiener Neustadt. Damit führte Sonka das Ranking zwei Rennen vor Ende der Saison mit sechs Punkten Vorsprungvor Hall und neun vor Goulian an.

Inidanapolis war Schauplatz des vorletzten Rennens der Saison, und Goulian stürmte eindrucksvoll zum Sieg. Hall kam über Platz fünf nicht hinaus, Sonka wurde sogar nur Zehnter. Damit war das Gesamtranking erneut auf den Kopf gestellt. Jetzt stand Goulian an der Spitze, Sonka folgte mit fünf Punkten Rückstand, Hall lag sieben Zähler hinter dem US-Amerikaner.

Goulian und Sonka trafen im finalen Rennen in der Round of 8 aufeinander, der Amerikaner kassierte vier Strafsekunden und musste seinen Traum vom WM-Titel begraben. Sonka oder Hall – einer von beiden würde nun das Rennen machen. Und es lagen vor dem Final 4 nur drei Punkte zwischen ihnen. Sonka wusste, dass er Hall nicht nur schlagen oder das Rennen einen Platz hinter ihm beenden musste, er musste auch die Events 2017 hinter sich lassen. Hall hatte eine Zeit von 53,100 Sekunden vorgelegt. Der Tscheche musste Fehler vermeiden. Und das gelang ihm eindrucksvoll. Er flog traumhaft, sauber und präzise, war 0,304 Sekunden schneller als Hall und sicherte sich damit den WM-Titel.

Hall packte es im letzten Anlauf
Nach vier Saisons auf dem Gesamtpodium – dreimal als Vize-Weltmeister – sah es so aus, als würde Matt Hall nie Weltmeister werden. Der Aussie hatte immer betont, dass es sein Traum ist, einmal Weltmeister zu werden, eine Zeitschiene hatte er sich dafür aber nie gesetzt, weil er sich keinen Druck machen wollte.

Als im Mai dann bekanntgegeben wurde, dass sie Serie nach der Saison nicht mehr weiter fortgesetzt wird, kam Hall an der Zeitleiste aber nicht mehr vorbei. Es war seine letzte Chance, Weltmeister zu werden. Zu diesem Zeitpunkt lag Hall auf Platz fünf, aber für Hall war klar, dass zwei Podiumsplätze und ein Sieg ausreichen würden, um den Titel zu holen. Beim zweiten Rennen der Saison in Kazan wurde der Australier dann Zweiter, aber Muroya gewann – die Lücke zwischen dem Japaner und Australier wurde immer größer.

Am Balaton schlug Hall dann zu, und weil Muroya große Probleme hatte und nur Zwölfter wurde, hatte sich das Blatt plötzlich gewendet. Hall war nun Zweiter, der Abstand zu Spitzenreiter Sonka betrug vier Punkte.

Am Renntag in Chiba schied Sonka bereits in der Round of 14 aus. Hall musste mindestens Dritter werden, sollte Muroya das Rennen gewinnen. Die Spannung im Final 4 war kaum zu überbieten. Muroya schnappte sich zwar den Sieg, aber Hall flog sauber und fehlerfrei auf den dritten Platz. Zehn Jahre hatte Hall auf diesen Moment gewartet, jetzt war auch er Red Bull Air Race Weltmeister.

Ähnliche Artikel