Reden wie ein Taktiker

Das Insider-Wörterbuch beim Air Racing

Die Piloten in der Red Bull Air Race Weltmeisterschaft verlassen sich auf ihre brillanten Taktiker, um die besten und idealen Linien in der Strecke zu fliegen. Doch damit man das Beste aus taktischen Ratschlägen herausholt, muss man auch den Jargon verstehen.

Hier kommt alles Wissenswerte:

Luftwiderstand: ist die aerodynamische Kraft, die der Bewegung eines Rennflugzeugs in der Luft entgegenwirkt. Man kann es als Reibung betrachten: Widerstand kann durch so etwas wie Schmutz auf der Lackoberfläche und ganz zu schweigen von der tatsächlichen Form des Flugzeugs entstehen. Zudem gibt es noch die zusätzliche Komplikation des induzierten Widerstands, der entsteht, wenn die Luftverteilung auf dem Flügel ungleichmäßig ist. Aber so oder so ist Luftwiderstand der Feind der Geschwindigkeit.

Energiemanagement: die effizienteste Art, durch die Rennstrecke zu fliegen, was nicht unbedingt die aggressivste Linie sein muss, weil aggressive Manöver Widerstand erzeugen können. „Energiemanagement ist von entscheidender Bedeutung. Geschmeidigkeit ist der Schlüssel zur Maximierung der Geschwindigkeit", sagt Michael Stock, Taktiker bei Matthias Dolderer Racing.

Flache Wende: eine Form der Wende, die horizontal ausgeführt wird, wobei das Rennflugzeug mehr oder weniger um 90° auf einer zum Boden parallelen Linie fliegt. In der Theorie hält der Pilot mit einer gut ausgeführten flachen Wende die Geschwindigkeit des Flugzeugs besser als bei einem vertikalen Wendemanöver, aber angesichts der physischen und sicherheitstechnischen Einschränkungen auf einigen Rennstrecken fliegen die Piloten oft vertikal.

G-Kraft: der Grund, warum sich dein Magen bei einer Achterbahn komisch anfühlt. Supereinfach ausgedrückt, ist es die Messung der Beschleunigung in Bezug auf die Erdanziehungskraft. Wenn man auf der Erde steht, wirken 1G, was dem Körpergewicht entspricht. Bei 10G wirkt eine Kraft, die dem 10-fachen des Körpergewichts entspricht. Während in der Formel 1 und bei den meisten anderen Autorennen der größte Teil der G-Last parallel zum Boden verläuft (bis zu 4G in der X-Achse beim Beschleunigen und Bremsen plus der Y-Achse beim Drehen), konzentriert sich die G-Last in den Rennflugzeugen auf die +Z-Achse (nach unten gerichtet) und drückt auf die Wirbelsäule des Piloten. Aus Sicherheitsgründen vergibt das Red Bull Air Race strenge Strafen für das Überschreiten des definierten G-Limits, einschließlich eines "DNF“ (Did Not Finish) für das Erreichen von 12G in einem Lauf der Weltmeisterschaft.

Gate-Offset-Winkel: beschreibt die horizontale Position der Flügel in Bezug auf die Air Gates. Wenn ein Rennflugzeug direkt durch ein Air Gate fliegen kann, gibt es einen relativ komfortablen Spalt zwischen den Flügeln und den Pylonen, aber wenn sich der Pilot aus einem Winkel nähern muss, wird es viel schwieriger. Vergleichbar mit einem großen Möbelstück, das durch eine Tür passen muss, wenn Wände nicht geradeaus weitergehen – so bekommt man eine Vorstellung.

Ausrichtung: die Richtung, in die die Nase eines Rennflugzeugs zeigt. Wenn man aber einen Piloten, der irgendwann mal an einem stürmischen Tag einen Pylon getroffen hat, fragt, wirst du feststellen, dass selbst wenn deine Nase in eine Richtung gerichtet ist, der Wind dich trotzdem von diesem Kurs abbringen kann. Das ist ein Grund, warum Taktiker die Wetterbedingungen berücksichtigen müssen.

Taktiker begleiten ihren Piloten oft bei der Trackbesichtigung

Trägheit: ist die Tendenz, dass ein Objekt den Bewegungszustand beibehält und Geschwindigkeits- oder Richtungsänderungen entgegenwirkt. Der Team-Taktiker der Blades, Neil Furness, erklärt, dass, wenn auf dem Papier ein vertikales Wendemanöver erst nach dem Air Gate beginnt, sollte der Pilot in der Luft die Wendung tatsächlich bereits vor dem Gate beginnen: "Im Idealfall wollen wir, dass sich das Flugzeug dreht, während es durch das Tor fliegt, um die Trägheit zu überwinden."

PRU: Position Reporting Unit, oder wie es der technische Direktor Jim Reed auch bezeichnet: "das Gehirn". Exklusiv im Red Bull Air Race eingesetzt, zeichnet diese kleine Blackbox im Rumpf des Rennflugzeugs Flugzeugparameter mit einer Rate von 1.000 Mal pro Sekunde auf und liefert die genaue Position des Rennflugzeugs in Echtzeit sowie Faktoren wie Geschwindigkeit, Drehzahl und G. Jedes Team erhält die PRU Daten seines Rennflugzeugs, die für die taktische Analyse eine große Bedeutung spielt.

Rennlinie: ist der Flugweg des Rennflugzeugs. „Du willst die kürzeste Strecke von Gate zu Gate zurücklegen, aber um das zu erreichen, musst du vielleicht mehr G in Kauf nehmen, und das bedeutet wiederum mehr induzierten Widerstand, und mehr induzierter Widerstand bedeutet weniger Geschwindigkeit", sagt Furness. "Also musst du eine gute Balance finden."

Lauf: ein Flug durch die komplette Rennstrecke – so wie sie an einer bestimmten Location errichtet wurde. Die Strecke umfasst immer mehr als eine Runde. Je nach Standort kann ein Lauf zwischen 5-7 km lang sein und wird in der Regel in etwa 60 Sekunden absolviert.

Sicherheitslinie: ist eine unsichtbare, geografisch definierte Linie, um sicherzustellen, dass die Rennflugzeuge vom Publikum und anderen möglichen Hindernissen immer weit genug entfernt sind.
Strömungsabriss: bezeichnet einen Strömungsabriss der Flügel. Einfach ausgedrückt: Wenn der Anstellwinkel des Rennflugzeugs einen kritischen Winkel überschreitet, können aufgrund des Luftstroms die Flügel vorübergehend weniger Auftrieb erzeugen. Dadurch erhöht sich der Luftwiderstand. Das Abreißen der Luftströmung wirkt sich negativ auf die Zeit aus.

Telemetrie: der Prozess, bei dem Daten, zum Beispiel der PRU, gesammelt und zur Fernüberwachung durch die Kamprichter der Rennleitung und zur Analyse der Linien an die Teamtaktiker übertragen werden. „Wir müssen uns die Telemetrie-Daten ansehen", ist ein bekannter Satz, wenn Piloten gefragt werden, was beim Lauf schief gelaufen ist.

Track-Limit-Linie: eine unsichtbare Linie, die durch die Race Box definiert wird und die Rennstrecke umgibt. Um eine Strafe zu vermeiden, sollte das Flugzeug während eines Laufs diese nicht verlassen. Die Track-Limit-Linie zu beachten, ist eine wichtige Aufgabe der Taktiker.

Track-Optimierung: Die Existenzberechtigung der Taktiker – deshalb gibt es sie! Die Streckenoptimierung beschreibt die Suche nach der Ideallinie, die unter bestimmten Bedingungen zu einer möglichst schnellen Zeit führt.  

Vertikales Wendemanöver: ist der Punkt, an dem ein Pilot das Rennflugzeug wendet, wenn er das Ende einer Runde erreicht. Das klassische Bild eines vertikalen Wendemanövers beim Red Bull Air Race ist ein fast vertikaler Steigflug, gefolgt von einer Reverse-Rolle. Auf einigen Rennstrecken kann es auch weniger extreme, vertikal geneigte Wenden geben. Manchmal entscheidet sich der Pilot aber auch für eine flache Wende. Am Ende geht es immer darum – unter Berücksichtigung der dreidimensionalen Rennstrecke – so schnell wie möglich von einem Gate zum nächsten zu gelangen.

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