So entsteht der Ghost Plane

Wie der Ghost Plane die Rennen noch spannender macht

Es ist mehr als nur eine simple Grafik. Der Red Bull Air Race „Ghost Plane“ liefert den Fans die packende Action, die den Sport so einzigartig macht. Doch um diese außergewöhnliche Geistererscheinung zum Leben zu erwecken, bedarf es sowohl Technologie als auch Teamwork.

Wenn die Red Bull Air Race Piloten in der Strecke sind, fliegen sie allein gegen die Uhr. Doch seit 2015 können die Zuschauer miterleben, wie die WM-Gegner Flügel um Flügel gegeneinander kämpfen. Aber wie funktioniert das? Eine technologische Innovation macht es möglich, der sogenannte „Ghost Plane“, eine computergenerierte Darstellung des Flugzeugs des aktuell führenden Piloten. Diese Darstellung zeigt die Flugbahn und das Timing des führenden Piloten, parallel zur Live-Action seines Kontrahenten in der Strecke. So können die Zuschauer zwei oder mehr Rennflugzeuge auf einmal verfolgen und erleben jeden Führungswechsel hautnah und bis am Ende der Sieger feststeht.

Vanessa Lorenz, die Leiterin der TV-Produktion und Executive Producer der Live-Übertragung des Red Bull Air Race, erklärt die Motivation für die Entwicklung der Geister-Grafik. „Natürlich können Fans Zwischenzeiten mitverfolgen, aber wir wollten die Sportart besser erlebbar machen. Die meisten Menschen sind schon einmal ein Auto gefahren oder haben Fußball gespielt und können die Herausforderungen der jeweiligen Sportart verstehen. Aber nur sehr wenige sind schon einmal ein Flugzeug geflogen. Zudem wählen die Piloten verschiedene Fluglinien. Also wollten wir den Zuschauern die Möglichkeit geben, zu sehen, wo und wie das Rennen gewonnen oder verloren wird."

Die Innovation war ein Hit bei den Sendern, die das Red Bull Air Race weltweit übertragen. "Sie haben verstanden, dass diese „Ghost Plane“-Technologie eine technische Innovation ist. Es ist das i-Tüpfelchen und hat für die Zuschauer einen hohen Mehrwert", so Lorenz weiter. "Es baut Spannung auf!"

Dabei war die Entwicklung des „Ghost Planes“ sehr komplex, weil Air Racing im Gegensatz zu anderen Motorsportarten vertikal verläuft. „Das macht unser Set-Up so einzigartig – die dritte Dimension", sagt Lorenz. Die Lösung war es, die bereits vorhandene Technologie, die hochpräzise GPS-Daten von jedem Rennflugzeug für das Bewertungssystem erfasst, zu nutzen: "Die Seele des „Ghosts“ ist die PRU, oder auch die Position Reporting Unit", sagt Álvaro Paz Navas Modroño, der Sport Technical Manager des Red Bull Air Race. Mit einer Blackbox in der Größe eines dicken Buches in der Hand fährt er weiter fort: "Diese PRU enthält einen Satz von 20 Sensoren sowie eine umfassende Software, die die Position und Ausrichtung des Flugzeugs schätzt. Es besitzt eine telemetrische Verbindung, um zum einen die Kampfrichter mit den bestmöglichen Informationen zu versorgen und zum anderen zur Erstellung der Ghost Virtual Graphic."

Im Rumpf montiert erfasst die PRU die Leistungsparameter der Flugzeuge mit einer Rate von bis zu 1.000 Mal pro Sekunde. Aber es braucht noch mehr, um die Wahrnehmung zu erzeugen, dass der „Ghost Plane“ und ein echtes Flugzeug in einer Spur fliegen.

"Auch am Boden gibt es viel zu tun: die Weiterleitung der Daten, die Synchronisation mit dem Video, Laserscans zur Zeiterfassung sowie die hochpräzise Verfolgung der Bewegung und des Zooms der virtuellen Kameras in der Rennstrecke", beschreibt Navas. "Obwohl der „Ghost“ vom Red Bull Air Race entwickelt und gemanagt wird, ist die Live-Produktion eine enorme Teamleistung, an der auch viele der Zuliefererteams, die an der Weiterentwicklung des Sports arbeiten, beteiligt sind."

Einer dieser Lieferanten ist netventure, bei dem etwa 10 Mitarbeiter mit der Produktion des „Ghost Planes“ beschäftigt sind. „Es gibt in keiner anderen Sportart etwas Vergleichbares. Der Ghost Plane zeigt die Power des Rennens und vermittelt ein Gefühl dafür, wie schnell etwas passiert oder wo ein Pilot einen Fehler macht und eine Strafe kassiert", sagt netventure-Geschäftsführer Tom Kopriutz. „Und mit der technischen Entwicklung des Red Bull Air Race schreitet auch der Ghost weiter voran. Jetzt können wir sogar drei Flugzeuge auf einmal zeigen, und es wird immer besser."

Die für den „Ghost Plane“ verwendeten Daten sind so ausgereift, dass der netventure-Container in einem sicheren Bereich stehen muss. Jedes Team hat zwar während des Rennens Zugriff auf die PRU-Daten des eigenen Rennflugzeugs, es wäre aber großer Vorteil, Daten aus den Flugzeugen der Gegner zu bekommen. „Es gab schon Teammitglieder, die uns nach Daten von anderen Rennflugzeugen gefragt haben. Aber es ist unsere Aufgabe, diese Daten geheim zu halten, und wir nehmen diese Verantwortung sehr ernst", erklärt Kopriutz.

Ein Fernseher in jedem Hangar ermöglicht es den Rennteams, so wie allen anderen Zuschauern auf der ganzen Welt auch, den „Ghost Plane“ in der Live-Übertragung zu sehen. Pilot Juan Velarde erklärt die Bedeutung der Technologie für den Sport: „Für uns als Team ist der „Ghost Plane“ nur ein visueller Hinweis oder eine Referenz, denn um Entscheidungen zu treffen, müssen wir die genauen Informationen, die wir aus der Telemetrie unseres Flugzeugs entnehmen, analysieren", erklärt der spanische Pilot. „Aber aus Fan-Perspektive denke ich, dass der „Ghost Plane“ großartig ist, um ein richtiges Renngefühl zu vermitteln. Es hilft den Leuten, das Rennen besser zu verfolgen."

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