Steve Jones über das Challenger Trainingscamp

Der Renndirektor erklärt alles von A bis Z

2014 wurde der Challenger Cup, die Nachwuchsserie beim Red Bull Air Race, ins Leben gerufen. Bevor Piloten dort an den Start gehen können, muss allerdings sichergestellt sein, dass sie den hohen Anforderungen gerecht werden. Und genau hier kommen die Trainingslager ins Spiel.

Der ehemalige Rennpilot und aktuelle Renndirektor im Challenger Cup, Steve Jones, überwacht den Challenger Cup und sorgt gemeinsam mit den ehemaligen Rennpiloten Klaus Schrodt und Sergey Rakhmanin dafür, dass die neuen Piloten des Red Bull Air Race gerüstet sind und sicher an den Start gehen können.

Bevor die Piloten zu einem Trainingslager eingeladen werden, wurden sie von einem der drei Trainer bereits unter die  Lupe genommen. “Wir starten nicht mit Null Informationen”, so Jones. “Klaus hat sie vorher bereits ins Visier genommen und weiß, auf welchem Stand sie sind und über welche Erfahrungen sie verfügen. Er wird mich entsprechend briefen, damit auch ich Bescheid weiß.“

Abseits des Air Race ist Schrodt ein sehr gefragter Kunstflugtrainer. Er veranstaltet zahlreiche Trainingslager für Teilnehmer von Welt- und Europameisterschaften sowie nationalen Kunstflugmeisterschaften und kennt jeden nahezu jeden Wettkampfpiloten. “Klaus ruft uns an, wenn er jemand Neuen entdeckt hat, und dann schauen wir uns ihn an“, erklärt Jones. “Er entdeckt sie bei Kunstflugwettbewerben, aber es gibt auch Airshow-Piloten und Militärpiloten, die bei Airshows auftreten. Es gibt viele Möglichkeiten, wie wir neue Piloten finden, aber weil Klaus tief im Kunstflug verankert ist, entdeckt er die Talente zumeist zuerst.“

Klaus Schrodt und Sergey Rakhmanin mit den Challengers

Die Piloten werden nicht nur auf ihre Fähigkeiten als Piloten geprüft, wichtig ist auch ihre Persönlichkeit. Das Air Race wünscht sich Piloten in seinen Reihen, die konkurrenzfähig und sicher sind, aber auch die Anweisungen der Trainer mit an Bord nehmen – sie alle werden vom RBAR Head of Aviation zu einem Trainingslager eingeladen. “Ich beobachte Klaus – 90% der Ausbildung in unseren Trainingscamps gehen auf seine Kappe. Früher haben wir es uns 50/50 geteilt, aber er ist so gut darin, dass ich wirklich nur ein wenig beobachte was er tut und wo er eventuell Hilfe benötigt“, beschreibt Jones.

Was passiert in einem Trainingslager?
Ein Red Bull Air Race Trainingslager dauert mehrere Tage, eingeladen werden bis zu drei neue Piloten.

Die Camps starten jeweils ruhig: “An den ersten zwei bis drei Tagen stehen ganz normale Flüge und einige Notfallverfahren auf dem Programm. Das alles findet über einem Flugplatz statt. Klaus und ich sind dabei per Radio mit ihnen im Cockpit verbunden. Dabei sollen sie ein paar grundlegende Kunstflüge und Wenden mit höheren G-Kräften absolvieren. Zudem sollen sie ein paar Wenden mit hohen G-Kräften in einer sicheren Flughöhe durchführen und sie vermasseln. So können wir sehen, was passiert, wie sie damit umgehen und wie sie das Flugzeug unter Kontrolle halten“, so Jones.

Wenn sich die Piloten verbessert haben, bitten Jones und Schrodt sie, das Gleiche in geringer Höhe zu machen. Danach wollen die Trainer von den Piloten simulierte Flüge durch einen Track (ohne Pylonen) sehen. Zunächst in größerer Höhe, dann immer tiefer bis sie schließlich in Trackhöhe unterwegs sind. “In den ersten Tagen erfolgt demnach eine Einweisung in das Red Bull Air Race in größeren Höhen“, erklärt Jones.

“Danach bauen wir einen Track für sie auf. Normalerweise beginnen wir mit einem oder zwei Gates, danach folgt eine Schikane. Schließlich werden weitere Gates und ein Vertikales Wendemanöver eingebaut. All dies erfolgt, um sie langsam auf den Flug in einem Track vorzubereiten“, fügt Jones hinzu.

“Am fünften oder sechsten Tag fliegen sie dann durch einen kompletten Track.  Bis dahin haben sie normalerweise den Dreh raus und wir können einschätzen, ob sie das Zeug zu einem Challenger Pilot haben oder nicht”, sagt Jones. Aber nicht alle Piloten schaffen den Sprung in den Challenger Cup. “Wir hatten schon Piloten, die es nicht geschafft haben. Es gibt keine Garantie. Es ist wirklich ziemlich schwer.”

Ähnliche Artikel

Die Fakten über die neuen Challenger-Flugzeuge

Wenn man einen der zehn Challenger Piloten fragt, wie sie sich vor dem Wechsel zur Edge fühlen, dann hört man immer wieder ein Wort: "Aufgeregt."
Lese den kompletten Artikel
Weitere Piloten
Former Pilot Former Pilot

Steve
Jones

2003-2008
 United Kingdom GBR
Former Pilot Former Pilot

Klaus
Schrodt

2003−2007
 Germany GER
Former Pilot Former Pilot

Sergey
Rakhmanin

2007-2010
 Russia RUS